Links vor Rechts – 2.6.2026

(€) Franz Müntefering: »Man muss die Republik jetzt wachrütteln«

"ZEIT: Was wäre, wenn ein Verbot scheitert? Könnte die AfD sich dann darauf berufen, dass sie höchstrichterlich für in Ordnung befunden wurde?
Müntefering: Das kann so sein. Ich würde nicht abwarten, bis es hundertprozentige Sicherheit gibt, denn dann ist es vielleicht zu spät."

Münte ist für PRÜF.


Das Bibliothekswesen ist kein geschützter Raum! | o-bib

„143 Löschungen und Datenmanipulationen vorgenommen – teilweise an Werken, die gar nicht aus ihrem eigenen Bestand stammen. (...) Mal machten BdK-Bedienstete aus der Spiegel-Journalistin Lisa Duhm eine ‚Lisa Dumm‘. (...) Bei anderen Werken löschten die rechten Bibliothekare Schlagwörter, die Bücher waren damit schwerer auffindbar. Oder sie fügten stark wertende rechte Kampfbegriffe und Verschwörungserzählungen wie ‚Gender-Gaga‘, ‚Verdummung‘, ‚Klimaschwindel‘ oder ‚Bevölkerungsaustausch‘ als Schlagworte (sic!) hinzu. Bei bisher neutralen Einträgen ergänzten BdK-Mitarbeitende zudem politische Kommentare, wie beispielsweise bei einem Aufsatz des Correctiv-Chefredakteurs Justus von Daniels über die Nachwirkungen seiner Recherche zum ‚rechten Geheimtreffen in Potsdam‘ in den Frankfurter Heften. Den Zeitschriftenbeitrag ergänzten sie mit den Schlagworten ‚Verschwörungstheorie‘, ‚Falschmeldung‘, ‚Propaganda‘ oder ‚Zeitungsente‘ und einer Verlinkung zum Thema auf den rechten Blog Tichys Einblick. Ein Bildband der renommierten Fotografin Regina Schmeken über die Tatorte des NSU-Terrors wurde in der Inhaltsangabe mit Zweifeln an den rechtsextremen Tätern kommentiert.

Die Bibliothek des Konservatismus ist aus dem Verbundkatalog des GBV geflogen. Bibliotheks-Verbundkataloge gibt es ein paar in Deutschland. Da schließen sich Bibliotheken zusammen und man kann dann institutsübergreifend Bestand recherchieren und meistens auch bestellen. Mitarbeiter der BdK haben nun anscheinend im GBV Katalog gezielt Einträge geändert. Die Kündigung ist in bibliothekarischen Fachkreisen nicht unumstritten.

Im aktuellen Wahlprogramm der AFD ist von "patriotische Kulturpolitik" und "keine antideutsche Kunst" die Rede. Das BdK-Beispiel ist ein kleiner Baustein wie diese Kulturpolitik strategisch umgesetzt werden soll. In München hat die AFD seit der letzten Wahl Fraktionsstatus und stichelte schon die Jahre davor mit Stadtratsanfragen an gegen die Münchener Stadtbibliothek, in denen es offensichtlich nur darum geht die fachliche Kompetenz der BibliotheksmitarbeiterInnen infrage zu stellen und das Vertrauen in die Institution Bibliothek zu untergraben. Das passiert deutschlandweit, meistens im kleinen, kommunalen Raum. In Magdeburg wurde eine Bibliotheks-Lesung von Arne Semsrott zunächst vorauseilend abgesagt und in Sachsen-Anhalt bereiten sich vor der diesjährigen Landtagswahl Kultureinrichtungen ganz konkret auf eine nationalistisch ausgerichtete Kulturpolitik vor.


🌱 #DRANBLEIBEN (Denkanstoss)

„Wenn wir „KI” zum Subjekt unserer Kritik machen, passiert etwas Gefährliches. Wir entlassen die Verantwortlichen aus ihrer Verantwortung. Wir geben Sam Altman, Satya Nadella und Mark Zuckerberg einen unsichtbaren Schutzschild, hinter dem sie verschwinden können. Denn solange „die KI” das Problem ist, muss kein Mensch sich erklären.“

Andre Cramer setzt sich hier sehr ausführlich mit KI-Kritik auseinander und präzisiert das ganz gut. Es ist nicht die Technik, sondern es sind die Machtstrukturen, in denen sie genutzt wird.

„In einem bemerkenswerten Beitrag in der Stanford Social Innovation Review haben Trebor Scholz und Mark Esposito kürzlich beschrieben, was sie den „Solidarity Stack” nennen. Damit meinen sie ein entstehendes Ökosystem aus Genossenschaften, öffentlichen Institutionen und sozialen Bewegungen, die Alternativen zur extraktiven KI-Infrastruktur aufbauen.“

Und am Ende macht er mir ein bisschen Hoffnung, wo ich am Ende meines ersten KI-Tagebuchs noch etwas ratlos stand. Es gibt anscheinend schon Ansätze KI gemeinwohlorientiert zu entwickeln.


Die Klima-Desinformations-Maschine rollt

„Mithilfe einer massiv verkürzten Darstellung einer normalen wissenschaftlichen Entwicklung wird hier gezielt Stimmung gegen Klimapolitik gemacht. Von einer Partei (AfD), die den menschengemachten Klimawandel leugnet, einem Thinktank, der die deutsche Klimapolitik ohnehin auf dem Kieker hat und einer Verlagsgruppe, die schon im Fall des Heizungsgesetzes eine Kampagne fuhr, die oft mit der Wahrheit wenig zu tun hatte.“

Immer wenn Ann-Kathrin Büüsker neben ihrem Job beim Deutschlandfunk als Klimaerklärbärin Zeit hat ihren Newsletter zu schreiben, lerne ich was. Unterstützt sie und abonniert ihren Üüberblick.


«Dass vor allem Männer Täter sind, hat nichts mit Biologie zu tun»

„Wenn ich junge Frauen frage, was sie tun würden, wenn es 24 Stunden lang keine Männer gäbe, sprudeln die Ideen nur so, und man spürt eine Art Befreiung. Daran sieht man, wie normal es ist, dass Frauen ihr Leben einschränken, weil sie von Männern umgeben sind.“

Hier einfach mal kurz Frauen und Männer vertauschen und einmal ehrlich antworten, Jungs. DAS ist das Problem, Männer.


Woke im Theater: Holt die alten weißen Männer zurück!

„Die alten Silberrücken in den roten Samtsesseln hatten etwas, das heute selten geworden ist: Gelassenheit gegenüber Kunst. Sie wussten, dass Theater ein Ort der Rollen ist – nicht der moralischen Bekenntnisse. Dass Figuren Dinge sagen dürfen, die Menschen nicht sagen würden. Dass Provokation kein moralischer Unfall ist, sondern ein ästhetisches Mittel.“


(€) SZ - Weniger Bühne, mehr Begegnung

Vielleicht ist es der neue Tisch, der die Gesprächsrunde verändert. Die geladenen Politiker und Politikerinnen legen ihren performativen Modus ab und plötzlich sind da: Ehrlichkeit und sogar etwas Harmonie.

In die gestrige Ausgabe von hart aber fair habe ich zufällig reingezappt und bin hängengeblieben, weil ich es ähnlich empfand wie die Rezensentin.


(€) Gut dass wir darüber gesprochen haben: ARD-Projekt "Was Deutschland verbindet"

Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer scheint das Experiment gelungen zu sein. Sie freuten sich darüber, gehört zu werden, sich „gesehen“ zu fühlen, oder auch nur, mal einen Satz zu Ende reden zu dürfen. „Dass es sich wirklich lohnt, miteinander zu sprechen“, nimmt eine Teilnehmerin als Erfahrung mit, ein anderer räumt ein, er habe gemerkt, er müsse sehr viel nachholen, weil er sich mit vielen Themen einfach noch nicht richtig auseinandergesetzt habe. Eine ältere Frau sagt am Ende: „Ich bin stolz auf die jungen Leute; ihr seid richtig dufte.“ Das Fazit eines älteren Mannes, immerhin: „Die Jugend ist nicht ganz so schlimm, wie ich dachte.“ (Halb ironische „Wow“-Rufe und Beifall aus der Runde.)

Die hart aber fair Sendung war das Anhängsel an ein größeres ARD-Experiment. 84 sehr unterschiedliche Menschen wurden mehrere Stunden zusammengesetzt und mussten durften gesellschaftliche Themen diskutieren. Es gibt dazu eine einstündige Doku und noch viel mehr ungeschnittenes Material zu den einzelnen Themen in der ARD-Mediathek. Ich habe noch nichts davon angeschaut, aber der Artikel von Stefan Niggemeier und die darin zitierten Menschen haben mich an den BürgerInnenrat zur Stadtentwicklung erinnert, den ich organisatorisch mitbegleiten durfte. Die TeilnehmerInnen haben damals Ähnliches gesagt. Es gibt hier und hier ein paar O-Töne. Menschen mit komplett unterschiedlichen Meinungen, Ansichten und Hintergründen können zivilisiert zusammensitzen und diskutieren, sind sich am Ende natürlich nicht überall einig, aber haben ein Verständnis und Respekt füreinander. Ich glaube mittlerweile, dass sowas nur in Echt und vor Ort wirklich gut funktioniert. Digital kann ein unterstützendes Werkzeug sein, aber das Vertrauen, dass es braucht, entsteht nur durch den persönlichen Austausch. Dafür braucht es Orte und Formate. Wir brauchen mehr davon.


Löwenzahn mit Peter Lustig

In der ZDF-Mediathek gibt es alle Löwenzahnstaffeln seit 1980. Hier sei auch noch mal der Podcast zu Peter Lustig und Elfie Donelly empfohlen.


Studie: Nach einer Woche halten wir KI-Ideen für unsere eigenen

Frauen kennen das schon von Männern, die in Meetings schon nach zwei Minuten ihre Ideen für die eigenen halten.


Endgültige Auflösung der Fiktion eines Google-Vertrags

„Die Werbung steht zukünftig nicht neben der Antwort. Sie ist die Antwort.“

Mein Internet verschwindet langsam.


Was war Social Media?

Die beiden Sozialwissenschaftler Petter Törnberg und Richard Rogers gehen noch einen Schritt weiter: Der Begriff „soziale Medien“ selbst ist überholt, und wir befinden uns im Post-Social-Media-Zeitalter. Das bedeutet explizit nicht, dass diese Netzwerke sterben oder verschwinden—sie haben sich nur so stark verändert, dass “sozial” möglicherweise nicht mehr das richtige Adjektiv ist.r…


Haken dran Verfahrenstracker

Aus der Community des Haken dran ✅ Podcasts ist dieser Tracker entstanden.


Social Media Ban Tracker

Noch ein Tracker: Wo ist die Social-Parasocial-Media-Nutzung schon eingeschränkt?


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