Endlich genug Geld für ein eigenes Auto
Wir haben 2014 unser Auto verkauft. Ich führe seitdem Buch über unsere Mobilität. Bisher habe ich einmal im Jahr ein Fazit dazu gebloggt. Ab jetzt habe ich hier im Blog ein Live-Dashboard zu unserer Mobilität.
Ich habe das vor allem angefangen, um für mich selbst zu checken, ob der Verkauf eine gute Idee war, oder ob wir draufzahlen. Seit 2014 habe ich also für jedes Jahr ein Fahrtenbuch. Eine lange CSV-Liste mit aktuell 372 Einträgen.

Mit der Liste kann ich ausrechnen, was wir jährlich für Mobilität bezahlen. Um zu sehen, ob es teurer ist als mit dem eigenem Auto, rechne ich jedes Jahr einen fiktiven PKW gegen. Basis dafür ist unser letztes eigenes Auto, ein Familienkombi Scoda Octavia.

Er war ein treuer Gefährte und hatte sogar einen Spitznamen: Long John Silver. Aber er hatte auch Kosten. Und zwar Fixkosten.
Die Kostenpunkte sind alles Durchschnittswerte. Echte Belege und Rechnungen für unseren Scoda. Der Wertverlust berechnet sich aus dem Kaufpreis, den wir dafür bezahlt haben und dem Verkaufspreis, den wir beim Gebrauchtwagenhändler noch bekommen haben. Wer jetzt denkt: Huch, ist das nicht bisschen viel!? Beim ADAC kann man sich die Kosten detailliert für einzelne Modelle anzeigen lassen.
Mit dieser Basistabelle rechne ich jetzt seitdem die Kosten für den fiktiven Familienkombi jedes Jahr gegen unsere tatsächlichen Kosten. Die grünen Fixkosten steigen inflationsbedingt stetig an, die orangenen Spritkosten variieren je nach Anzahl der gefahrenen Kilometer.
Man sieht an dem Schaubild ganz gut, dass die Spritkosten (orange) maximal 25 % der Gesamtkosten ausmachen. Das auch mal im Auge behalten, wenn das nächste Mal über einen Tankrabatt diskutiert wird.
Für jedes Jahr sieht das dann so aus. Wir sparen im Durchschnitt jährlich 1.500 bis 2.000 €.
Interessant ist auch der Kilometerpreis nach Verkehrsmittel.
Daraus gelernt:
- Car-Sharing ist nicht gleich Car-Sharing. Wir nutzen zu 99 % unseren stationären, lokalen Anbieter STATTAUTO. Free-floating-Anbieter spielen für uns kaum eine Rolle. Was genau der Unterschied ist, habe ich hier schon mal aufgeschrieben.
- Klassische Mietwagen nutzen wir selten, sie sind aber ein gutes Backup zum stationären Car-Sharing und preislich nicht viel teurer.
- Würden wir unseren eigenen Familienkombi einfach 1:1 durch STATTAUTO ersetzen, würden wir bei weitem nicht so viel Geld sparen. Ohne eigenes Auto haben wir aber viel mehr Wahlfreiheit. Bei jeder Fahrt können wir das dafür beste Verkehrsmittel wählen und sparen durch diesen Mobilitätsmix am Ende Geld ...
- ... weil: Die Bahn ist günstiger als man denkt. Zumindest, wenn man wie wir für längere Urlaubsfahrten mit langem Vorlauf bucht und Sparpreise mitnimmt.
- Fliegen ist viel zu günstig.
- Flixbus ist supergünstig!
- Meine Frau und ich bekommen fast das komplette Deutschlandticket von unserem Arbeitgeber erstattet. Es hilft uns noch mehr zu sparen und ich habe damit ganz konkret Fahrten ersetzt, die ich sonst mit dem (Car-Sharing)-Auto gemacht hätte. Wenn ihr Arbeitgeber seid: warum immer nur der Wellpass als Incentive? Deutschlandticket macht eure Mitarbeiter auch glücklich.
Soll ich mein Auto auch verkaufen? Ein paar Tipps.
- Sich ehrlich machen. In Excel. Führt eine Zeit lang ein Fahrtenbuch und erstellt eine Liste mit euren realen Fahrzeugkosten (nicht nur Sprit!).
- Fahrt ihr im Jahr nicht mehr als 13.000 Kilometer? Dann spart ihr wahrscheinlich Geld mit neuem Mobilitätsmix.
- Habt ihr einen stationären Car-Sharing-Anbieter vor Ort? Gibt es Bahnanschluss? Könnt ihr eure Alltagsmobilität zu Fuß, mit Rad oder ÖPNV abwickeln? Dann habt ihr sehr gute Voraussetzungen ohne eigenen PKW mobil zu sein.
- Ihr habt Angst, nicht mehr so frei und spontan zu sein? Schreibt in euer Fahrtenbuch, welche Fahrt wirklich spontan war. Also wo ihr morgens um 8 aufgewacht seid und gedacht habt: Auf nach Italien!
- Ich blogge seit 2014 regelmäßig zu unserer Mobilität und habe einen Ratgeber geschrieben. Da findet ihr noch mehr Tipps.
Und hab ich schon erwähnt, dass es sich lohnt? Mein Schwabensparherz schlägt bei dieser Abschlussgrafik höher.
Wir haben seit 2014 soviel Geld gespart, dass es jetzt für einen Neuwagen reicht.
Das Kleingedruckte
Mobilität und Mobilitätsbedürfnisse sind was sehr Individuelles. Und was sehr Emotionales. Mir helfen die ganzen Schaubilder neben dem Emotionalen das Rationale zu sehen. Alle Berechnungen hier sind individuell und bilden unsere ganz persönliche Familienmobilität ab. Nicht erfasst wird unsere Nahmobilität. Also die Alltagswege zum Einkaufen, Sportverein, Schule. Diese Mobilität haben wir auch schon mit eigenem Auto genau so zurückgelegt wie jetzt.
Die Kurven sehen anders aus, wenn ihr jährlich deutlich mehr als 13.000 Kilometer fahrt, der Wertverlust ist vor allem bei Neuwagen sehr hoch, nimmt mit zunehmendem Fahrzeugalter ab und wenn ihr grundsätzlich handwerklich begabt seid, spart ihr euch wahrscheinlich auch Werkstattkosten. Die Berechnungen in meinem neuen Dashboard sind im Vergleich zu den alten Blogposts etwas angepasst und modifiziert. Hauptunterschied: ich habe bei dem fiktiven Auto jetzt die Inflation mit einberechnet. Das hatte ich davor jahrelang nicht gemacht.
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In Berlin ist die Welt diesbezüglich sehr in Ordnung. Wer ins Umland muss, aus dem Land kommt oder on anderen Regionen wohnt, muss leider mit völlig anderen Rahmenbedingungen klar kommen. Leider finde ich weder Arbeit noch bezahlbare Wohnung für die baldige Rente in Berlin....
Sobald jemand auch nur ansatzweise positiv über die Möglichkeit einer Mobilität ohne Auto schreibt, kommt umgehend jemand anderes ums Eck mit dem Argument "Ja aber bei uns auf dem Land...!". Dieser Mechanismus funktioniert zuverlässig, da kann man ohne Risiko drauf wetten.
Ja, es ist unbestritten: auf dem Land ist eine Mobilität ohne Auto kaum oder nur sehr begrenzt umsetzbar. Wird sich möglicherweise auch nie ändern. Das ist aber kein Grund, jegliche Diskussion über andere Formen der Mobilität mit dem Totschlag-Argument "Land" sofort zu ersticken. Denn sehr viele Menschen wohnen eben NICHT auf dem Land und könnten ihre Mobilität durchaus ändern. Die in diesem Blog vorgestellten Zahlen und Erfahrungen finde ich diesbezüglich sehr hilfreich und nachdenkenswert.
Sehr inspirierend, vielen Dank!
😊
Trägst du die Fahrten direkt in das Sheet ein oder nutzt du dafür eine App?
ich trag es einfach in eine lange Liste ein. Bis vor kurzem noch ein Google Spreadsheet. Jetzt einfach eine CSV Datei auf meinem Rechner.
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