Hitzenotizen
Gestern Abend hat es endlich geregnet. Davor war es über eine Woche sehr heiß und seit heute ist München in einer "Ausnahmesituation" und ruft zum massiven Wassersparen auf. Ein paar Gedanken dazu.
Ich gehe zunehmend strategisch, gezielt und geplant mit Hitze um. Alles keine bahnbrechenden Neuigkeiten, aber die konsequente Anwendung der Maßnahmen, das ist bei mir neu. Meine ganz persönliche Klimaanpassung.
Am Morgen wird, solange es draußen kälter ist als drinnen, komplett durchgelüftet. Ab dem Kipppunkt wird alles verdunkelt. Auf dem Fußweg zur Arbeit schattenoptimiere ich die Strecke.
Bei der Tiefgaragenausfahrt vom The Seven bleibe ich immer kurz stehen. Mein absoluter Abkühltipp. Aus den Tiefen der Garage weht konsequent kühle Luft nach oben. Wie ein Fön, nur in kalt.

Mein Fächer, den ich mir letztes Jahr gekauft habe, ist ab dem ersten Hitzetag mein ständiger Begleiter. Er steckt in meiner neuen Handtasche, die ich mir gekauft habe, weil mein rückenbedeckender Rucksack dafür sorgen würde, dass ich bei der Ankunft im Büro direkt mein Shirt wechseln müsste.
Es gibt erwachsene, intelligente Männer, die Fächer und Handtaschen für unmännlich halten und ich kann nur sagen: Das ist dumm.

Mir hat der Fächer schon mehrmals den Arsch gerettet. Wenn du bei 34 Grad mit 30 Menschen in einem Meetingraum sitzt und merkst, wie auf Brusthöhe der erste Schweiß aufploppt, dann sind es noch genau drei Minuten bis sich von diesem Punkt aus eine Micky-Maus-Silhouette auf deinem Shirt ausbreitet. Oder du setzt sofort deinen Fächer ein und alles wird gut.
Ich gönne 2Raumwohnung jeden einzelnen GEMA Cent, den sie innerhalb der einen Hitzewoche über Insta-Reels und Fernsehbeiträgen einnehmen.
Die Radtouren und Wanderungen des Wochenendes beginnen wir alle so früh wie möglich. Lars baut für die Radrunde um den Wilden Kaiser auf Komoot extra alle Wasserstellen ein, die er finden kann. Und wir brauchen sie. Alle. Zum Trinken und Abduschen.
Und wenn es mal keine offiziellen Wasserstellen gibt, folgender Tipp: Kirchen hat jedes Dorf, Kirchen sind sehr leicht zu finden. Und meistens sind da Friedhöfe mit dran und dort gibt es auch fast immer einen Wasserhahn, um die Trinkflasche aufzufüllen.

In München gibt es erste Pläne die Ludwigstraße umzugestalten. Klimaresilienter zu machen. Aber ...
Bayerns oberster Denkmalschützer sieht durch die geplante Umgestaltung den monumentalen Charakter der Ludwigstraße in Gefahr – und beruft sich auf historische Untersuchungen. Auch aus der Politik kommen Bedenken.
(Quelle: SZ)
Auf Instagram fliegt diese Kachel vorbei.

Auch unter den Fahrzeugen ist es im Sommer selten kühl. "Parkende Autos heizen sich nicht nur innen massiv auf, sondern auch außen, unterhalb der abgestellten Autos bildet sich ein Wärmepolster" [ ... ] In der Nacht werde diese Wärme an die Umgebung abgegeben, wodurch sie weniger abkühlt.
(Quelle: Der Standard)
Man müsste übrigens Autos gar nicht verbieten, um hier deutliche Verbesserungen zu erreichen, man müsste die Autos nur einfach konsequent unter der Erde parken. Es gibt höchstwahrscheinlich genügend freie Parkflächen auf privaten Tiefgaragenflächen, wir wissen nur viel zu wenig darüber. Unsere Initiative Parkraumwende versucht das zu ändern.
Aus der Schule der Kinder erreicht mich folgende Meldung:
Hitzeschutz im Sommer: In den oberen Stockwerken und den Räumen zum Pausenhof hin wird es im Sommer sehr heiß. Da das Gebäude unter Denkmalschutz steht, sind bauliche Veränderungen (wie Klimaanlagen oder Deckenventilatoren) rechtlich nicht möglich. Die Luftreiniger aus der Corona-Zeit können wegen der Motorwärme ebenfalls nicht genutzt werden.
Ist aber nicht so schlimm, weil Klimaanlagen sind grad eh alle ausverkauft. Man kann aber trotzdem noch in den Media-Markt gehen. Oder zum Edeka. Da ist wenigstens klimatisiert.
Menschen teilen alte BILD Schlagzeilen, um irgendwie zu beweisen, dass das alles nichts Neues ist. Aus verschiedenen Gründen ist das Quatsch. Auf einer Instagram-Kachel lese ich dazu den berechtigten Einwand, dass, wenn es wirklich so wäre, dann hätte ja wohl jedes Haus, jede Schule, jedes Altenheim heute schon eine Klimaanlage. Niemand hat eine Klimaanlage. Nur Edeka und Media-Markt haben Klimaanlagen.
Ich mache mir zum ersten Mal wirklich ernsthafte Sorgen um die Gesundheit älterer Familienmitglieder. In meiner alten Heimat steigen die Temperaturen sogar auf bis zu 38 Grad. Meine Mutter lebt da alleine. Sie geht morgens um 6:30 noch auf eine Spazierrunde, dann einkaufen. Danach kann sie den ganzen Tag das Haus nicht verlassen. Niemanden treffen. Uncool.
Zum Glück hat die Politik ein paar gute Tipps und Handlungsideen:
Bei der Hitze hilft Schwimmengehen – am liebsten ganz früh am Morgen. Wünsche allen ein schönes Wochenende! ☀️
(Markus Söder, Bayrischer Ministerpräsident auf Instagram)
Ein stärkeres Engagement des Kanzlers ist nicht geplant. Das Thema zur „Chefsache“ zu machen, werde „das Wetter nicht ändern“, sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius am Montag. Grundsätzlich sieht er auch keinen großen Handlungsbedarf.
(Quelle: Table Briefings)
Kein großen Handlungsbedarf Deine Mudder!
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