Hosen, Olympiapark und Wassermangel
Trink aus | Mein letztes Die Toten Hosen Konzert war wahrscheinlich irgendwann Ende der 1990er. Bis dahin war die Band ziemlich prägend für mich. Prägender als z.B. Die Ärzte. Die nächsten zwanzig Jahre hab ich ihre Musik immer mal wieder wahrgenommen, aber auch ein bisschen aus dem Blick verloren. Als sie vor einem Jahr ihre Abschiedstour angekündigt haben, dachte ich mir erst nicht viel, hab dann aber doch ein Ticket gekauft. Noch mal sehen kann ja nicht schaden, aber lieber nicht zu viel erwarten.
Dann war ich am Mittwoch beim ersten Konzert im Münchner Olympiapark und hab noch während der Show in verschiedenen Chats rumgefragt, ob jemand vielleicht noch ein Ticket für das zweite Konzert hat. Niemand hatte eins, aber ich bin am Donnerstag einfach mal hin und hatte Glück.
Diese ganze Abschiedssache ist perfekt inszeniert. Sowohl Show als auch Abschiedsalbum sind genau die richtige Mischung. Selbstreferenziell, modern, schlau, ironisch, retro, pathetisch. Die Band tritt in Toppform ab und wirkt auf mich dabei absolut glaubwürdig (im Reflektor Podcast erzählt Campino hier und hier, wie es zur Entscheidung kam).
Es sind auch zwei Abende, an denen 40.000 Menschen aus unterschiedlichen Bubbles und Altersgruppen zusammenkommen und 45 Jahre Geschichte einer Band abfeiern, die immer ihre Haltung bewahrt hat. Campino macht am ersten Abend eine klare Ansage gegen das geplante Abschiebeterminal am Münchner Flughafen. Wer hier auf dem Konzert ist, ist bestimmt nicht bei allem einer Meinung, aber hat zumindest noch den Grundwerte-Kompass richtig eingenordet. Das ist doch schon mal was heutzutage.

Am zweiten Münchner Abend ist Stofferl Well zu Gast und spielt Dudelsack zu Auld Lang Syne. Das ist cool. Aber zwei Abende später in Berlin wird dann Geschichte geschrieben. Das ist der beste Konzertanfang, den ich je gesehen habe:

Offen gebaut | Das zweite Highlight der beiden Abende: Der Olympiapark. Wie cool ist der eigentlich? Wenn man in München wohnt ist die Gefahr, dass der Park zu einer Selbstverständlichkeit wird. Das ist er aber nicht. Muss man sich immer mal wieder vergegenwärtigen. Der Olympiapark wurde vor über 50 Jahren angelegt. Welche Sportstätten Olympischer Spiele kennt ihr heute noch, die nach so langer Zeit noch funktionieren und genutzt werden? Das gesamte Konzept der 1972er-Spiele war eine direkte Antwort auf die noch nicht verarbeitete Nazi-Zeit. Die Architektur des Olympiaparks ist einladend, transparent und demokratisch. Das Olympiastadion ist das beste Beispiel. Der bewusste Gegenentwurf zum Nazi-Prunkbau in Berlin. Dezent in den Boden eingelassen wird es eins mit der umgebenden Parklandschaft. Man kann in das Stadion von außen reinschauen. Eher selten bei Olympiastadien. Genial!
Und das wirkt auch heute noch nach. Wer kein Ticket für die Hosen oder Taylor Swift bekommt (oder Geld dafür übrig hat), kann sich einfach gegenüber auf den Olympiahügel auf die Picknickdecke setzen und von da aus zuhören und reinspicken. Macht das mal in der LanxessUberCheck24-Arena in eurer Stadt!


Weil das Olympiastadion gerade renoviert wird, fand das Konzert auf dem Platz davor statt. Auch das war perfekt. Es war genug Fläche vorhanden um sich auch mal zurückzuziehen und am hinteren Ende gibt es eine kleine Erhöhung zur Schwimmhalle hin, die perfekt für kleinere Menschen ist um noch genug zu sehen.

Am Münchner Flughafen ist ab 2029 eine riesige neue Konzertarena geplant. Betrieben vom Ticketmonopolisten Live Nation. Man darf befürchten, dass das dem Olympiapark einige große Acts kosten wird und hoffen, dass dem Investor einfach die Kohle ausgeht. Da wird es mit Sicherheit keinen Hügel für alle geben. Anstatt in einer halben Stunde mit dem Radl, wird man einen halben Tag Anreise mit einer überfüllten S-Bahn oder im Auto-Stau einplanen müssen. Statt offen für alle, geschlossen für wenige, die das Geld haben.

Demokratie-TÜV | Am Samstag wieder PRÜF-Demo. Die letzten beiden Demos musste ich aussetzen. Diesmal gab es inhaltliche Neuigkeiten. Die Bundestagsabgeordnete Carmen Wegge war da. Sie ist Teil eines parteiübergreifenden Arbeitsbündnisses im Bundestag, dass sich mit einem AFD-Prüfverfahren beschäftigt. Und parteiübergreifend meint: alle demokratischen Parteien, die im Bundestag sitzen! Sie betont, wie wichtig das vor kurzem veröffentlichte Gutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte für die politische Diskussion ist und wie wichtig es ist, dass sie auch aus der Zivilgesellschaft Rückenwind bekommen. Es ist jedenfalls Bewegung in der Diskussion, sogar bei der CSU. Deshalb hier der Hinweis: Die nächste PRÜF-Demo nach den Sommerferien am 8.8. auch in Deiner Landeshauptstadt.

Wasser marsch! | Ich komme von der Arbeit heim und die Tochter erzählt mir, dass sie sich heute zu Tode erschrocken hat. Was war passiert? Wir haben jedes Jahr neue Balkonpflanzen und jedes Jahr das Problem, dass sie irgendwann vertrocknen. Gleichzeitig experimentiere ich seit Jahren schon mit Heimautomatisierung. So richtig sinnvolle Usecases hab ich dafür bisher nicht gefunden. Ich platziere hier mal den Hottake, dass der Betrieb von 30 smarten IKEA-Lampen, 10 IKEA-Temperatursensoren und 4 smarten Heizungsreglern über eine Home-Assistant-Installation auf einem RaspberryPi5 in einer kleinen Mietwohnung vor allem eine Spielerei für mittelalte Männer mit zu viel Tagesfreizeit ist. Keine sinnvollen Anwendungsfälle also. Bis jetzt!
Ich habe den Balkonpflanzen diese smarten Feuchtigkeitssensoren verpasst. Und jetzt passiert folgendes: Sinkt die Feuchtigkeit bei einer der Pflanzen unter einen bestimmten Wert, startet auf allen Sonos Boxen in der Wohnung der Song Bring me some water von Melissa Etheridge. Der fängt etwas langsam und leise an und wenn man da alleine in der stillen Wohnung ist, dann kann das eventuell etwas creepy sein. Sie hat die Pflanzen dann gegossen. Ziel erreicht, nennt mich Daniel Düsentrieb, Familie!
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