Wiesnhose, Untergrund und Anschiss

Wiesnhose, Untergrund und Anschiss

Auszapft is | Das Oktoberfest geht heute zu Ende. Man sagt immer unter Münchnerinnen gibts eigentlich nur zwei Meinungen zur Wiesn. Man liebt sie oder man ist währenddessen zwei Wochen Wandern in den Bergen. Das stimmt gar nicht. Ich kenne genug, denen die Wiesn egal ist und die währenddessen einfach ihr Leben weiterleben ohne jemals einen Fuß auf die Theresienwiese zu setzen.

Mir ist die Wiesn in den letzten Jahren nicht egal gewesen. Ich war meistens ein paar mal auf dem Gelände, manchmal auch einen Abend im Zelt.

Alles Schlechte was man über das Oktoberfest sagt ist wahr. Genauso wie alles Gute aber auch stimmt. Am Ende komprimiert sich auf dem Gelände für zwei Wochen nur sehr dicht, was uns ansonsten im Alltag auch begleitet oder ein Bedürfnis ist. Menschen haben gemeinsam Spaß. Menschen Männer verhalten sich scheisse (99% der Scheissdinge, die man im SZ-Ticker lesen kann sind männlich verursacht).

Ich mag die Fahrgeschäfte (Breakdance, Wilde Maus, Boxauto), ich mag den Geruch von gebrannten Mandeln und ich bin an einem Abend gerne in einem der Bierzelte, erfreue mich an Don't stop believin Kollektiv-Verbrüder- und Verschwesterung und genieße am anderen Abend meinen Stammtisch im gemütlichen Biergarten auf der Oidn Wiesn.

Ich wohne seit 26 Jahren in München und war immer in Alltagsklamotten auf der Wiesn. Jedes mal hab ich mir danach vorgenommen im Herbst eine Lederhose zu kaufen. Das hat nie geklappt. Es erschien mir immer zu aufwändig. Dieses Jahr bin ich mitten zur Wiesnzeit im nahen Umfeld über eine Schaufensterpuppe mit dem für Schwaben verheissungsvollen Versprechen einer deutlichen Preisreduzierung gestolpert. Ich bin insgesamt sehr anfällig für Werbeaufsteller. Am anfälligsten für so Flattermänner. Die liebe ich. Zwei Dönerbuden nebeneinander, einer hat einen Flattermann, einer nicht - meine Entscheidung steht felsenfest.

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Die Schaufensterpuppe tat es aber auch und dann hat auch noch die Lederhose auf Anhieb gepasst und sich sofort sehr gut angefühlt.

Früher war ich immer in zivil auf dem Oktoberfest und habe Alkohol getrunken, jetzt habe ich eine Lederhose und trinke alkoholfrei. Als ich vor knapp drei Jahren aufgehört habe Alkohol zu trinken, war mein Prüfstein, ob ich das dauerhaft durchziehe, das kommende Oktoberfest. Das hat gut geklappt und jetzt im dritten Jahr kann ich mir das gar nicht mehr anders vorstellen.

Hat man weibliche und männliche Kinder im fortgeschrittenen Alter lernt man ausserdem wie essentiell das Fest auch und vor allem für Jugendliche für den Gesamt-Coming-of-age-Prozess ist. Das fordert einen als Erziehungsberechtigten noch mal ganz anders. Vertrauen in die über Jahre vermittelte Erziehung ist die eine Seite, das Wissen um die Welt drumrum die andere. Ich glaube, der Spaß überwog meilenweit bei beiden. Es wurde viel Witziges und Positives berichtet. Die Jugend ist größtenteils allright würd ich sagen.

Anders manche Männer, die nicht mehr ganz so jugendlich sind. Wenn du männlich und zwischen 30 und 50 Jahren alt bist und an deinen Wiesn-Tisch gesellt sich eine gemischte Gruppe offensichtlich junger Menschen unter 20, dann ist die einzige Aufgabe, die du hast: Schenk ihnen Deine restlichen Verzehrgutscheine, die du von deinem DAX-Arbeitgeber bekommen hast. Die Kids haben sich irgendwie ins Zelt gemogelt und mit 16 € für eine Mass und 18 € für ein Hendl ist sehr schnell das Monatstaschengeld aufgebraucht. Du schenkst ihnen also diese Verzehrgutscheine. Du sagst niemals Sätze wie: "Wie alt bist Du?" - "16? Oh, sorry, dann kann ich dich nicht mit zu meinen Freunden nehmen" oder "16? Oh schade." So eine Konversation ist niemals eine Option für dich. Du behältst Deine Finger schön bei Dir in der Nähe deines Eherings und rückst stattdessen endlich Deine verdammten Verzehrgutscheine raus!


Angeschissen | Dieses Shirt hat mir meine Familie im April zum Geburtstag geschenkt. Superwitzig weil ich in den letzen vier Jahren drei mal von Vögeln angekackt wurde. Nicht mitgerechnet die zwei mal, wo mein Fahrrad Opfer wurde.

Die Attacken waren bisher immer im eher ruhendem Zustand. Meistens im Urlaub. Am Meer. Ich war ein leichtes Ziel. Jetzt im September 2026 hat die Sache eine neue Eskalationsstufe erreicht. Sie haben mich in voller Bewegung erwischt. Auf dem Rad. Bei 15 Stundenkilometern. Im Flug auf meine Hand und meine neue Jacke.

Wie wahrscheinlich ist das denn alles?! Die KI sagt man wird im Durchschnitt einmal im Leben angekackt. Und sie sagt auch, dass es in manchen Ländern Glück bringen soll. Ich glaube, manche Länder reden sich manche Sachen auch ein bisschen sehr schön.


Underground | Eine Führung durch die Münchner Kanalisation gemacht. Kann ich empfehlen. Max von Pettenkofer hat die damals erfunden. Nachdem er angeblich den Maggi-Brühwürfel erfunden hatte.


Maybe | Etwas ist schief gelaufen hört man nicht so gerne. Vor allem nicht, wenn man gerade 45 Minuten in der Warteschlange für Oasis Tickets gewartet hat. Es hat dann aber doch noch geklappt. Direkt danach hab ich dann meine Lederhose gekauft. So viel Geld habe ich an einem Vormittag noch nie ausgegeben. Enttäuscht mich nicht Liam und Noel!


Krach! | Nach dem komplett überteuerten Arena-Ticket-Kauf ist vor den 12 € Eintritt für das Indie-Konzert im Giesinger Bahnhof.

Die Pyramiden von Giesing. Wie gut kann ein Bandname eigentlich sein?

Die Indierock-Explosion Drug Stop ist mir und aufmerksamen Blogleserinnen schon bekannt.

Und kein Abend ohne begeisterte Neuentdeckung. Weakboys live genial gut!


Herrenboutique | Finger weg hingegen vom Loriot Abend Die Ente bleibt draussen. Das hat ja mal überhaupt nicht funktioniert. Das einzige gute an den Eintrittskarten: man merkt noch mal wie gut und zeitlos das Original ist und hat sofort wieder Bock auf einen Youtube-Deep Dive.


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