Tagebuch

Mein 2019

Das zurückliegende Jahr war so ein bisschen das Jahr der Baustellen. Im übertragenden und auch im Wortsinn.

Was schön war

Immer wenn ich an Weihnachten den Jahresrückblick schreibe und denke: „Alter, wie warm ist das und das mit dem Schnee wird diesen Winter wohl auch nix mehr…“, sehe ich ein Bild aus dem vergangenen Januar und da liegt dann immer voll viel Schnee. 2019 war das auch wieder so. Auf dem Heimweg vom ersten Stammtisch des Jahres in Untergiesing knirscht der Schnee unter meinen Füßen.

Ein bisschen Restschnee sehe ich auch Anfang Februar noch aus meinem, da immer noch recht neuen, Büro im 19. Stock des SZ-Hochhauses, wo ich mit den zwei sehr lustigen und netten Menschen @dvg und @klingbeil sitze …

…. während mir meine Tochter meinen Lieblingsaußerirdischen malt …

… und ein paar neue Monster erfindet …

… kehrt das Eichhörnchen nach etwas längerem Urlaub wieder regelmäßig auf unseren Balkon zurück …

… und jedes Familienmitglied darf sich selbst eine LEGO-Figur aussuchen. Keine Ahnung was ein Psychologe zu dieser Familienauftstellung sagen würde, aber am Ende putze ich jede Woche das Bad, während meine Frau Pizza isst. So ist das mit der Gleichberechtigung. Wer sich nicht wehrt, endet am Herd, Leute!

Bis zum Sommer dachte ich mein ganzes Leben lang, ich sei zu schwer für ein Rennrad (wie soll so ein dünner Rahmen 100 Kilo aushalten?). Dann überredet mich Manni zum Glück dazu ein Gravel-Bike (Rennrad mit dem man auch auf Schotter schottern kann) zu kaufen und ich sollte einfach öfter auch mal auf Manni hören. So viel Spaß gehabt mit dem Rad.

Wegen großer Fahrradfahrlust wenig Lauflust. Aber immerhin einen Halbmarathon um den Tegernsee in der schlechtesten Zeit ever geschafft. Ivo war auch dabei und genauso fertig wie ich.

Die Pfingstferien mit sehr vielen Erwachsenen und noch mehr Kindern auf einer gemütlichen Hütte im Kleinwalsertal Großen Walsertal verbracht. Mit Infinity-Tischtennisplatte („Kinder, holt mal bitte den Ball!“) …

… schönem Ausblick …

… Bergsee (inklusive dem schon traditionellen Slow-Mo-Video, wie @abspann in einen See springt. Hoffe diese Tradition auch 2020 aufrecht erhalten zu können. Es ist jedes mal ein Ereignis!)

… und Wanderungen u.a. zur Damülser Mittagsspitze.

In den Sommerferien sind wir dann mit dem Rad von Hamburg bis Sylt gefahren. Radtouren werden langsam zur Familientradition.

Gegen Jahresende dann noch ein Ausflug nach Wien, bei dem ich meinen Freund Roland erfolgreich als Simon Schwarz (der österreichische Schauspieler aus dem Tatort, den Brenner-Filmen und den Leberkartoffelkäsekoma-Krimis) Double verkauft habe

… und ein Wellness-Wochenende im Hohenloher Land.

Was wichtig war

Das Jahr, in dem ich so viel, wie noch nie in meinem Leben auf Demos war. Und schuld sind die Kinder. Schon Ende 2018 hat meine Tochter mit ein paar Freundinnen eine Plastikffrei-Demo in unserem Viertel organisiert. So richtig mit Polizeischutz und abgesperrten Straßen. Im zugehörigen Artikel in der Münchner tz wird in der Seitenspalte von einem schwedischen Mädchen berichtet, die mit einem Schild für Klimaschutz streikt.

Anfang des Jahres überzeuge ich mich dann zuerst alleine, ob diese faulen SchulschwänzerInnen auch bei schlechtem Wetter auf die Straße gehen (Spoiler: ja und sie sind laut und haben witzige Schilder dabei)

Dann sorgt eine sehr engagierte Grundschullehrerin dafür, dass ich mit einer vierten Klasse gleich beide großen Fridays for Future-Demos in München besuche.

Außerdem radeln wir noch auf der Radsternfahrt zur Unterstützung des erfolgreichen Radentscheid München.

Wenn ich ehrlich bin, hat mich das mit dieser plastikfrei-awarness am Anfang sogar ein bisschen genervt. Die Logo Nachrichten auf KIKA haben da bei den Kindern ganze Arbeit geleistet und Bewusstsein geschaffen. Mittlerweile gefällt mir das mit dieser engagierten Jugend insgesamt aber ziemlich gut. Wie die uns alte Säcke triggern, den Finger in die Wunde legen und nicht damit aufhören. Das ist super.

Was zu tun war

Mit unseren Nachbarn zusammen entsorgen wir zum Jahresanfang unter starkem Schneefall Sperrmüll vom Dachboden des Mehrparteienhauses. Zwei Familien, insgesamt neun Menschen, macht zusammen einen kompletten Transporter voll mit 750 Kilogramm Möbeln, Zeug und Krimskrams. Das erste mal, dass ich auf dem Wertstoffhof auf eine Waage fahren und für die Entsorgung bezahlen muss. Krass, was sich trotz beengter Wohnverhältnisse, in über zehn Jahren für Sachen ansammeln, die nicht mehr benötigt werden (und Mahnung nicht mehr so viel Quatsch einzukaufen)

Nachdem wir erst 2018 innerhalb unserer Wohnung umgezogen sind, haben wir 2019 einfach gleich noch mal fast alle Zimmer einmal ausgeräumt. Aus Brandschutzgründen konnten unsere Gaseinzelöfen nicht mehr weiter betrieben werden.

Die Lösung: eine zentrale Heizungsanlage mit Gastherme.

Der Weg dahin: drei Monate lang verschiedene Handwerker in der Wohnung, die in allen Zimmern Wände aufreißen, Leitungen verlegen und Wände wieder verputzen und streichen.

Dazwischen: normales Familienleben.

Das braucht man auch nicht jedes Jahr. Aber immerhin haben wir jetzt auch so ganz normale Heizkörper, wie alle anderen zivilisierten Münchner.

Zum ersten mal gemacht

Eine Darmspiegelung (nicht schlimm), eine Wurzelspitzenresektion (schlimm) und Einlagen in die Schuhe bekommen (besser für Sport). Die Gleitsichtbrille rutscht nur aus versicherungstechnischen Gründen ins Jahr 2020. Insgesamt also anhaltend schleichender Körperverfall.

Außerdem hab ich meinen ersten Podcast aufgenommen. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Wurde aber nur auf Dark Social als Geburtstagsgeschenk für den Manni veröffentlicht. Spiele aber jetzt mit dem Gedanken mir so ein Podcast Setup (Laptop, Zauberkästchen, Headsets) wie Max vom Rasenfunk auf dem Küchentisch aufzubauen. Einfach nur so. Um bisschen mit der Familie und Gästen zu diskutieren. Ganz ohne Veröffentlichungszwang.

Gerne gehört

Meine Lieblingssongs 2019 hab ich auf einer Playlist zusammengestellt.

Live gesehen

Die Reihenfolge ist wertend.

  • Thees Uhlmann (Ampere)
  • Pascow (Technikum)
  • Namika (Musiksommer Dachau)
  • Bavarian Squad (Muffathalle)
  • Spanish Love Songs (Backstage Club)
  • Brian Fallon (Alte Kongresshalle)
  • Die Höchste Eisenbahn (Flex, Wien)
  • Granada & Fiva (Tollwood)
  • Art Brut (Hansa 39)
  • Thees Uhlmann (Tonhalle)
  • Lemonheads (Ampere)

Gelesen

Isabel Bogdan: Laufen
Schon das Vorgängerbuch Der Pfau hab ich an einem Wochenende durchgelesen. Genau dasselbe jetzt mit dem neuen Buch von Isabel Bogdan. Eine Frau verarbeitet den Tod ihres Lebensgefährten. Laufen hilft ihr dabei. Es passiert streng genommen nicht so viel, aber das Buch entwickelt so einen Sog und schwups ist man durch. Super!

Simone Buchholz: Mexikoring
2019 hab ich das komplette Werk von Simone Buchholz auf Anregung einer meiner bibliothekarischen Krimi-Beraterinnen (Danke, Anke!) durchgearbeitet. Superlakonische hard-boiled-Krimis aus Hamburg mit vielfältig gebrochenen Figuren zum Verlieben. Mexikoring steht nur exemplarisch. Auch sehr empfehlenswert: Blaue Nacht und Hotel Cartagena (der neueste Band, mit einer schönen Die Hard Hommage)

Bernie Mayer: Ein gemachter Mann
Bernie Mayer kannte ich bisher v.a. aus dem Brennpass-Podcast. Ich wusste, dass er schon ein paar Krimis veröffentlicht hat und Rosalie. Die stehen jetzt auch alle auf meiner zu-lesen-Liste. Ein gemachter Mann erzählt das Erwachsenwerden des zwanzigjährigen Robert Bley, der in den 90ern auszieht aus der niederbayrischen Provinz um in der nächstmittelgroßen Stadt zu studieren. Dabei verhält er sich meistens ziemlich arschig, ziel- und verantwortungslos. Das beschreibt Bernie Mayer so präzise, dass ich einige meiner 90er-Jahre-Studiumserfahrungen mit ähnlichem Provinzbackground durchaus wiedererkannt habe.

Julian Moreno: 1000 Zeilen Lüge
Ein irre Geschichte. Claas Relotius belügt jahrelang seine Kollegen und schmuggelt erfundene Reportagen in den Spiegel. Julian Moreno kommt ihm auf die Schliche, keiner glaubt ihm und er muss unter hohem persönlichem Risiko den Fall selbst aufdecken. 1000 Zeilen Lügen ist im Mittelteil so packend, wie ein Thriller. Aber halt ein Thriller, der genau so passiert ist. Gleichzeitig erklärt Moreno sehr anschaulich, was im professionellen Journalismus alles schief läuft und wie Strukturen entstehen, die einen Claas Relotius möglich machen.

Derek B. Miller: Sigrid Odegards Reise nach Amerika
Die zweite Empfehlung einer meiner bibliothekarischen Krimi-Beraterinnen (Danke, Dani!). Eine norwegische Kommissarin reist in die USA um ihren mordverdächtigen Bruder zu suchen. Dabei muss sie mit einem knorrigen US-Sheriff zusammenarbeiten. Witzig, spannend und aktuell.

Genussvoll Gebingt

Weihnachten zu Hause

Das war die perfekte Weihnachtsminiserie für die Feiertage. Dreht ein paar Romcom-Gesetze durch den Drehbuchwolf und hat mich mit einem sehr schönen Ende überzeugt.

Modern Family

Die perfekte Serie für Zwischendurch, wenn nicht viel Zeit und Energie für was Längeres da ist. Staffel 4 ist jetzt fertig geschaut, Staffel 5 angebrochen.

Hubert & Staller

Eine bayrische Vorabendkrimiserie, die die Kindern lieben. Immer wenn wir ergebnislos eine halbe Stunde durch Netflixkacheln gescrollt sind, entscheidet sich der Familienrat am Ende für eine Folge Hubert & Staller. Der familieninterne Minimalkompromiss. Ich kann nicht viel Schlechtes darüber sagen. Gut um etwas älteren Kinder humorvoll an die Themen Mord und Pathologie heranzuführen. Spielt außerdem im idyllischen Münchner Umland und überzeugt mit regelmäßigen Wasserleichen im Starnberger See.

3 von oben

Die Netflix-Serie spielt im selben Kosmos wie Trolljäger und wird auch von Guillermo del Toro produziert. Noch ein Liebling der Kinder und ich schau gerne mit.

Jerks

Als die Serie neu rauskam, hab ich versucht das zu schauen und hab es nur zwei Folgen ausgehalten. Zu viel schmerzhafte Fremdscham. Ein paar Jahre später ging es dann, warum auch immer, und ich hab die komplette erste Staffel auf einer ICE-Fahrt weggeschaut (die Serie gibts da kostenlos im Bordentertainment-System).

The Good Wife

Was für eine tolle Serie. Die erste seit Buffy und den Gilmore Girls, die ich zusammen mit meiner Frau komplett durchgeschaut habe. Bei sieben Staffeln keine kurze Aufgabe (2018 angefangen), aber es hat sich gelohnt. Der Serie geht auch am Ende niemals die Luft aus und schafft immer wieder neue Drehs, die einen dran bleiben lassen.

Love, Death & Robots

In der Animationsserie ist jede Folge von anderen Machern. Stilistisch und inhaltlich sehr divers. Von lustig bis dystopisch wird hier das komplette Sci-Fi-Themengebiet abgegrast. Hab ich krank im Bett geguckt.

Filme

Marvel Cinematic Universe

Weil wir irgendwann mal den inhaltlichen Anschluss an das Marvel Cinematic Universe verpasst haben, haben wir dieses Jahr angefangen mit den Kindern zusammen alle Filme in der korrekten Reihenfolge durchzuschauen. Es fehlen noch Avengers – Infinity War, Ant-Man 2, Captain Marvel und Endgame. Meine bisherigen Favoriten: Thor 3, Ant-Man und beide Guardians of the Galaxy. Es macht großen Spaß das zusammen mit der ganzen Familie zu glotzen.

Fast & Furious – Hobbs and Shaw

Während unserer Nordseeradtour hab ich die Familie in Husum zu diesem Film ins Kino gezerrt. Frau und Sohn danach eher verhalten, die Tochter hat ihn geliebt. Was für ein herrlich, sinnlos-überdrehter Action-Quatsch.

Midsommar

Der Vorgängerfilm von Ari Aster, Hereditary, hat es schon 2018 in meine Lieblingsfilmliste geschafft. Midsommar verstört ähnlich und macht nicht gerade Lust auf den nächsten Schwedenurlaub. Kein Familienfilm.

Stephen King’s Es 1+2

Den ersten Teil schnell auf Netflix geguckt und dann gleich ins Kino. Teil 2 hat mir noch ein bisschen besser gefallen. Die verschrumpelte Oma macht mir auch paar Monate später noch Gänsehaut. Kein Familienfilm 2.

Once upon a time in Hollywood

Zuerst fand ich den Film doof und selbstverliebt. Hab ihn dann sacken lassen und jetzt geefällt er mir sehr gut. Kann aber sein, das ändert sich wieder.

Jumanji

Es gibt ein Remake des 90er-Jahre-Jumanji? Hab ich erst im November zufällig auf Netflix entdeckt. Fand die ganze Familie dann sehr unterhaltsam und jetzt gehen wir zum Jahresabschluss gleich nach Fertigstellung dieses Rückblicks noch Jumanji – The Next Level im Kino schauen.

Guter Vorsatz für 2020:

Mit Neugier, Herz und Würde älter werden. Gestalten statt motzend beharren, denn es gilt:

„Die Zukunft ist ungeschrieben, die Zukunft ist so schön vakant
Und ich komme dich besuchen: egal, ob Stammheim oder Bundeskanzleramt“

(Thees Uhlmann, Junkies & Scientologen)

Alle vergangenen Jahresrückblicke (überraschenderweise schon 5) liegen hier gesammelt.

12 Kommentare zu “Mein 2019

  1. Ja, Wurzelspitzenresektion – sehr schlimm. Braucht kein Mensch, sowas! (Ist bei mir ein paar Jahre her, aber als furchtbar in Erinnerung geblieben.)





  2. Schön, aber: Großes Walsertal, nicht Kleinwalsertal 🙂


  3. Egal, Hauptsache Schweiz!

  4. You’re welcome, Munich’s Finest Blogger! ❤️




Reaktionen auf Social-Media

  1. Mark Woo hat diesen Artikel auf twitter.com geliked.

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