24.9.2022 – Linzgrünversifft

Einmal im Jahr versuchen wir – sieben mittelalte Männer mit einem gemeinsamen Stammtisch, den wir Jour-Fix nennen, weil es dann nicht so nach Stammtisch klingt – ein ganzes Wochenende wo hin zu fahren und gemeinsame Zeit zu verbringen. Die Tradition gibt es erst seit 2019. Und da 2020 und 2021 eher schwierig waren, haben wir es jetzt erst 2022 wieder geschafft. Ausgestattet mit einem grundsätzlichen Faible für Österreich haben wir uns als zweites Ziel nach Wien (2019) jetzt Linz ausgesucht.

Anreise

Von München aus erreicht man Linz komfortabel mit der Bahn. Mit der Westbahn, einem privaten österreichischen Anbieter, der seit einiger Zeit auch München mit Österreich verbindet. Der Doppeldeckerzug ähnelt einem DB-Regio wirkt aber insgesamt ein bisschen wertiger und komfortabler. Die Strecke bis Linz ist größtenteils sehr idyllisch mit viel Blick ins Grüne und Richtung Berge. Sehr schön ist der Kaffeeautomat, der problemlos mit allen gängigen Kartenzahlungsmitteln klarkommt.

Unterkunft

Wir übernachten im MotelOne direkt am Hauptplatz. Liegt superzentral und ist in einem Altbau untergebracht, bietet aber den bekannten MotelOne-Standard. Vom Hauptbahnhof aus erreicht man den Platz schnell mit der Trambahn.

Vom Platz aus machen wir gleich am Ankunftsabend noch einen kleinen Spaziergang entlang der Donau. Am nächsten Morgen ist Flohmarkt mit passendem Gemäldeangebot zur Weltlage.

Auf den Pöstlingberg

Der Linzer Hausberg ist der Pöstling. Man sieht ihn schon vom Hauptplatz aus. Das verleitet einige von uns, ihn in einem kurzen Spaziergang zu erreichen. Stellt sich dann doch als etwas längerer Weg mit Steigung und Schwitzen raus. 1,5 Stunden sollte man vom Zentrum aus mindestens einplanen. Wer es einfacher mag, steigt am Hauptplatz in die nostalgische Pöstlingbergtram ein. Die fährt bis hoch zur Burg. Auf dem Weg kommt man auch am betonlastigen Linzer Rathaus vorbei. Insgesamt eine interessante städtebauliche Mischung aus Altbau und Brutalismus.

Ab ins Stahlwerk

Das klingt vielleicht nicht so attraktiv, aber es lohnt sich. Österreichs größtes Stahlwerk hat den Sitz in Linz. Die Voestalpine ist für 10% aller österreichischen CO2-Emissionen verantwortlich. Das Werksgelände ist im Prinzip eine eigene kleine Mini-Stadt. Es gibt ein modernes Werksmuseum und v.a. eine fast zweistündige Führung über das Werksgelände bei der man einem aktiven Stahlofen sehr nahe kommt. Die “Voest” scheint so eine Art industrielles Nationalheiligtum zu sein. Der Austrofred hat dem Stahlwerk eine eingängige, augenzwinkernde Hymne gewidmet.

Pixel im OK

Im Offenen Kulturhaus Linz läuft noch bis Februar 2023, neben dem regulären Programm, die Ausstellung PIXELS. Digitale Pixelart in echt und lebensgroß umgesetzt. Die Pixel und v.a. auch die regulären Installationen haben mir sehr gut gefallen.

Essen und Nightlife

ok, Nightlife ist vielleicht bisschen übertrieben. Aber wir sind die zwei Abende, die uns zur Verfügung standen für unsere Alters-Verhältnisse viel und lange in der Innenstadt umherschlawenzt (wie der Österreicher sagt).

Zuerst mal muss lobend erwähnt werden: Österreich, wie lieben deine Würstlstände! Das war auch schon in Wien so. Wenn um Mitternacht der zweite Hunger kommt, der Würstlstand steht bereit. Es gibt Bier und Würste mit lustigen Namen – Klobasse oder Burenwurst – und immer wieder die Frage: warum stinkt München in der Beziehung so ab? Essen und Trinken waren wir beim Linzer Heurigen (zünftig, derb und günstig), in der stadtliebe (Cocktails und berlinernde Bedienung), Chelsea Pub (Bier), Sputnik (Bier und feine Musik auch noch nach Mitternacht) und im Klosterhof (solide touristisch).

Triggerwarnung Gendern

Ich weiß nicht genau, was in Linz da los ist, aber es wird auf offiziellen Schildern gegendert, was das Zeug hält. Sehr schön. Wenn ihr also schon beim Gedanken an das Sternchen Bluthochdruck bekommt, dann vielleicht lieber woanders hin. Verpasst ihr halt aber auch was.


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