Kleingeld, Meinung und Rüttelschüttel
Rüttelthermie | Vor meinem Bürofenster taucht am frühen Morgen ein sehr lautes Gefährt auf. Die Lautstärke dürfte gefühlt im Bereich zwischen Hubschrauber und Containerschiff liegen. Vom Geruch her läuft das Teil auch mit Schiffsdiesel. Lauter kanns eigentlich nicht werden denke ich. Dann wird es noch mal lauter und mein Schreibtisch vibriert. Die Platte, die man unten am Gefährt sieht wird auf den Boden gelassen und fängt dann an zu rütteln. Wie so ein Rüttelding auf der Baustelle, nur in groß. Was hier passiert: München sitzt auf einem großen Geothermie-Potiential. Das muss erst mal erfasst werden. GIGA M heisst das Projekt und die Rüttelplatten schicken Schall an Geofone und mit Magie errechnen Spezialisten daraus dann die besten Orte für Geothermie. Hier gibt es einen noch unterfolgten Instagram-Kanal zum Projekt. Coole Sache.

Cash! | Ich versuche Bargeld zu vermeiden und zahle fast nur noch mit Karte oder Handy. Und ich habe zwei Bargeldprobleme. Manchmal fehlt mir Bargeld und manchmal hab ich zu viel vom falschen Bargeld. Für beides hab ich jetzt eine Lösung.
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Ich sitze daheim und stelle fest, dass ich am nächsten Morgen dringend eine zweistellige Summe an Bargeld brauche. Zum EC-Automat ist es ein weiter Weg und ausserdem kostet es oft noch Gebühr. Die Lösung: Der Sohn hat in seinem Zimmer eine unerschöpfliche Kiste mit Scheinen von den letzten Geburtstagsweihnachtskonfirmationsfeiern. Ich ziehe also das Bargeld bei ihm und überweise direkt per App auf sein Konto zurück. Er ist mein Bankomat. Nur ohne PIN.
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Wir haben seit unserer Hochzeit (also schon sehr lange) eine alte Blechkiste mit sehr viel Mini-Münzgeld. Wohin damit? Ich könnte natürlich damit im Supermarkt den Wocheneinkauf zahlen. Aber das Hantieren mit ultraviel Ein-und-Zwei-Cent-Münzen an der Supermarktkasse gehört zu den sozial stressigsten und für alle anderen nervigsten Dingen, die man in einem Supermarkt machen kann. Jetzt gibt es auch dafür eine Lösung: Auf meinem Arbeitsweg hat ein Rewe seine Backtheke auf Selbstbedienung umgestellt. Inklusive Kasse. Und die Kasse nimmt auch Münzgeld. Man kann sie wirklich mit allem füttern. Ich hab es ausprobiert. Eine Breze für 59 Cent mit Ein-und-Zwei-Cent-Münzen bezahlen? Kein Problem! Ich haue das ganze Hochzeitsgeld jetzt nach und nach für Laugengebäck raus!

Meinung sagen | Da sitzen Moritz Hürtgen, ehemaliger Titanic-Chefredakteur und die eine Hälfte des Bohnigen Wachmachers, und Ronen Steinke, SZ-Redakteur, der zuverlässig schlaue Kommentare zu brennenden gesellschaftlichen Themen schreibt. Entlang von Steinkes aktuellem Buch Meinungsfreiheit diskutieren sie darüber, was man heute eigentlich noch sagen darf. Und was nicht. Das ist sehr lehrreich und unterhaltsam, weil natürlich auch immer wieder Classic-Titanic-Cover eingeblendet werden. Fazit: Übereifrige Staatsanwälte in Kombination mit reformierter Gesetzgebung reagieren offenbar immer öfter über und reiten auch mal bei einem Rentner wegen einem eher harmlosen Meme zur Hausdurchsuchung ein während gleichzeitig Gerichte die Sachlage äußerst unterschiedlich auslegen. So eine hypersensible Justiz und Politik spielt dann wieder den ewigen Man-darf-ja-gar-nichts-mehr-sagen-Horsts in die Karten. Hürtgen und Steinke plädieren für etwas mehr Gelassenheit vor allem bei Fällen, wo es ein starkes Machtgefälle zwischen Beleidigtem und Beleidiger gibt. Gute, differenzierte Diskussion.

Konsum 1 | Im Tal gibt es einen neuen Edeka. Die Münchner Innenstadt ist nicht gerade gesegnet mit Supermärkten. Der hier sieht von außen sehr klein aus, entpuppt sich dann aber als ziemlich weitläufig und zweistöckig. Die Preise sind auf normalem Edeka-Niveau, die Auswahl sieht vielversprechend aus. Hervorragendes Alkoholfreie-Getränke-Regal. Ambitionierte Deko zur Eröffnung an Halloween.

Konsum 2 | Für die Suche nach einer öffentlich zugänglichen Toilette kann ich die App Flush Toilet Finder empfehlen. Bei meiner Erkundung der Örtlichkeiten im Oberpollinger stoße ich zum ersten mal auf öffentliche Fußwasch- und Andachtsmöglichkeiten in einem Kaufhaus. Optimiert auf die internationale Kundschaft.


Konsum 3 | Auf dem Heimweg von meiner nicht angetretenen Schnitzelreise komme ich beim Münchner Metzger mit dem passendsten aller passenden Namen vorbei. Mein Name ist Bauch, Magnus Bauch!
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