Einen Minecraft-Server für Kinder einrichten

Eigener Minecraftserver in der Cloud

Das Prinzip ist dasselbe, wie bei der lokalen Variante. Allerdings steht der Server nicht mehr im heimischen Netzwerk, sondern in der Cloud. Das hat den Vorteil, dass man das Heimnetz nicht öffnen muss und kein Desktop-Rechner blockiert ist. Ich habe mich für einen Amazon EC2 Server entschieden. Die Kosten für den Server berechnet Amazon nur, wenn er auch läuft. Ist man Amazon-Kunde bekommt man die zweitkleinste Variante (t2.micro) inklusive 750 Stunden Betrieb/Monat umsonst. Bei den ersten spielen ist der t2.micro zwischendurch an seine Grenzen gekommen. Ich vermute es lag am geringen Arbeitsspeicher (1GB). Ich hab jetzt mal aufgestockt auf t2.small (2GB) und beobachte die Leistung und Kosten (0.027$/Stunde).

Die folgende Anleitung basiert größtenteils auf dem Blogpost von Matt Raible und man sollte ein bisschen Erfahrung mit einer UNIX-Shell mitbringen, um alles umzusetzen.


Hier klicken und ein kostenlosen AWS Account erstellen (wenn man schon einen Amazon-Account hat, einfach nach dem Klick damit anmelden)


Jetzt EC2 auswählen.


Auf „Launch Instance“ klicken.


„Amazon Linux“ auswählen.


Dann den Typ auswählen. Ich habe mit einer t2.micro angefangen. Bei fünf Spielern kam die an Ihre Grenzen. Aber für den Anfang zum Testen reicht das aus und es fallen erst mal keine Kosten an. Ein Upgrade ist später einfach per Klick möglich.


Dann auf „Launch“ klicken.


Jetzt geht ein Popup auf. Das Key Pair ist wichtig, damit wir uns später auf dem Server einloggen können. Der Key-Pair-Name kann beliebig vergeben werden. Danach auf „Download Key Pair“ klicken und die Datei z.B. auf dem Desktop ablegen. Die Datei hat die Endung meinname.pem (wobei meinname für den Eintrag in Key-Pair-Name steht). Dann noch auf „Launch Instance“ klicken.


Der Server startet jetzt und irgendwann steht in der Instance-Übersicht ungefähr folgendes.


Jetzt müssen wir den Server noch erreichbar machen. Zum einen per SSH um ihn zu administrieren, als auch über den Minecraft-Port 25565, damit alle darauf zugreifen können. Dazu legen wir eine neue „Security Group“ an.


Dort machen wir die folgende Einstellungen. In meinem Fall habe ich SSH nur für meine eigene IP freigegeben, weil die fix ist. Hat man einen DSL-Anschluss mit wechselnder IP muss man den Eintrag eventuell immer mal wieder anpassen oder man gibt es komplett frei (damit kann man dann von jedem Rechner aus per SSH darauf zugreifen)


In der Instance-Übersicht jetzt mit der rechten Maustaste auf den Server klicken und „Networking -> Change Security Group“ auswählen.


Jetzt die Gruppe wählen, die wir zuvor erstellt haben. Wenn man den Server neu startet sollte er jetzt per SSH erreichbar sein.


Wir wechseln jetzt kurz auf unseren lokalen Rechner und öffnen (auf dem Mac) das Terminal. Dort geben wir folgendes ein.

mv ~/Desktop/meinname.pem ~/.ssh/.
chmod 400 ~/.ssh/meinname.pem

Damit wird der SSH-Key den wir zuvor heruntergeladen haben sicher abgelegt und mit restriktiven Nutzerrechten versehen.


Jetzt verbinden wir uns per SSH mit dem laufenden Server. Statt xx.xx.x.xxx gibt man die IP-Adresse des Servers ein, die in der Instance-Übersicht angezeigt wird.

ssh -i ~/.ssh/meinname.pem ec2-user@xx.xx.x.xxx

Das Terminal-Fenster sollte dann so aussehen. Wir sind jetzt per SSH mit dem Server verbunden.


Nun erstellen wir ein Verzeichnis für den Minecraft-Server und wechseln in das Verzeichnis:

mkdir MinecraftServer
cd MinecraftServer

Auf der Download-Seite holen wir uns den aktuellen Download-Link zum Minecraftserver und laden die Datei mit folgendem Kommando auf unseren Server:

wget https://s3.amazonaws.com/Minecraft.Download/versions/1.11.2/minecraft_server.1.11.2.jar

Jetzt starten wir den Server mit folgendem Kommando (wobei der Aufruf der .jar-Datei natürlich immer von der aktuell genutzten Version abhängt):

java -Xmx1024M -Xms1024M -jar minecraft_server.1.11.2.jar nogui

Der Server startet kurz und meldet dann folgendes:


Wir müssen den EULA-Lizenzbedingungen noch zustimmen. Dazu die Datei eula.txt mit dem UNIX-Editor vi öffnen.

sudo vi eula.txt

Mit dem Cursor ans Ende der Zeile gehen und I drücken. Damit wechselt man in den Insert-Modus. Aus „false“ ein „true“ machen.


Jetzt die Änderung mit folgender Tastenkombination speichern und den Editor beenden.

[ESC] :wq [ENTER]


Den Server erneut starten mit:

java -Xmx1024M -Xms1024M -jar minecraft_server.1.11.2.jar nogui

Die Statusmeldung sollte dann ungefähr so aussehen. Der Server läuft und die Spieler sollten sich damit verbinden können.


Damit man nicht jedes mal die neue IP-Adresse des Servers an alle Spieler melden muss, kann man ebenfalls einen dynamischen DNS-Dienst nutzen. Die Einrichtung erfolgt ähnlich, wie in der Beschreibung zur lokalen Installation. Oder man bucht direkt eine statische IP-Adresse (Amazon nennt die elastic IP-Adresse) dazu. Dann ist man immer unter derselben Nummer erreichbar.

 

  • Super Beitrag! Und spiegelt meine Erfahrungen mit Kindern und Eltern zum Thema Minecraft ziemlich genau. Wir haben die Phase mittlerweile hinter uns, aber mir hat es Spaß gemacht und ich hab auch manche Stunden alleine gespielt. Die Kinder haben es geliebt, wenn ich mitgespielt habe und waren stolz wie Bolle, wenn sie mir erklärt haben, was sie alles Neues gecrafted haben. Wenn man das Spiel kennt, dann kann man das auch wertschätzen, was die Kinder einem wiederum hoch anrechnen. Ich weiß, unsere Zeit ist kostbar und wir sollten doch lieber alle zusammen an die frische Luft! Minecraft kann auch Waldspaziergänge bereichern, wenn man mit den Kids darüber nachdenkt, wo man an einem Abhang am ehesten nach Kohle suchen würde. Ich sag ja nur.

    • Hallo ich hab deinen Beitrag mit Genuss gelesen dürfte ich dich mal um einen Gefallen bitten wo bekomme ich denn all umfassende Infos um nicht wieder Ochs Vormberg am iPad zu sitzen und es wieder nicht zu schaffen mit meinem achtjährigen Sohnemann zusammen minecraft zu spielen.
      Ich bin leider Generation Pingpong Computerspiele Tischchen mit Drehknopf und mir gelingt einfach nicht der Zugang zu dieser Materie. Bin einfach konsequent lieber im Wald oder an der frischen Luft habe werde mir deine Begeisterung zu Herzen nehmen falls du mir hilfst die richtige Anführungszeichen ……minecraft für dummes……. zu finden…..wirklich ganz ganz besonderen Dank für deine Hilfe

  • Minecraft ist ein kleiner Diamant unter den Computerspielen. Wir hatten sehr lange einen Server am ITSec Lehrstuhl laufen und trafen uns regelmäßig zum „craften“. Sehr schön, dass du es deinen Kindern ermöglichst in diese wunderbare Welt einzutauchen. Es gibt kaum ein kreativeres Spiel auf dem Markt.

    Als Skype Alternative würde ich übrigens teamspeak empfehlen. Das wird üblicherweise in diesen Kreisen eingesetzt und kann eben auch einfach selbst betrieben werden.

    Weitere wunderbare Spiele dieses Kalibers: Kerbal Space Programm und Star Drew Valley. Ersteres spielen übrigens sogar die Astrophysiker der ESA hier an der Münchner Südsternwarte. Nein, das ist kein Witz 😉

  • Vielen Dank, Chris.

    Teamspeak hatte ich zunächst auch überlegt, aber ich wollte den anderen Eltern nicht noch ne neue Software zumuten. Einen Skype-Account hatte schon jeder. Teamspeak können die Kids ja dann in 2 Jahren selbständig einrichten.

    Kerbal Space Program und Star Drew Valley schau ich mir auf jeden Fall mal an.

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