Lieblingsgames für die ganze Familie

Für die Let’s Talk – Reihe von Patricia habe ich einen kleinen Fragebogen zur Mediennutzung in unserer Familie ausgefüllt. Darin hab ich ein paar Spiele erwähnt, die die Kinder gerade gerne spielen. Diese, und noch ein paar meiner eigenen aktuellen Lieblingsspiele möchte ich hier noch mal gesammelt vorstellen.

Ich bin mit Computerspielen aufgewachsen. Zuerst auf dem C64, dann auf dem Amiga500 und dann auf dem ersten DOS-PC. Meine Lieblingsgenres waren klassische Text/Point-and-Click-Adventures von Sierra und LucasArts, Strategiespiele (Civilization) und später dann die ersten Ego-Shooter. Das letzte Spiel, dass ich wirklich ausufernd gespielt habe war wahrscheinlich Quake II. Bis kurz vor der Jahrtausendwende. Den Sprung zu den Konsolen hab ich nie so richtig geschafft. Ich war mal ganz gut in Guitar Hero auf der Playstation 2. Aber zwischen 2000 und 2010 waren irgendwie andere Sachen wichtiger.

Seit die Kinder da sind und die sich zunehmend für Spiele interessieren, bin ich aber wieder ein bisschen in das Thema eingestiegen. Es macht mir wieder selbst Spaß zu spielen und es macht mir Spaß mit den Kindern zusammen zu spielen. Das geht zeitlich natürlich alles nicht mehr so exzessiv wie mit Fünfzehn. Manche Spiele ziehen sich bei mir ewig hin und sind immer noch nicht abgeschlossen (Thimbleweed Park, Life is strange).

Wer also toppaktuelle High-End-Games sucht und sowieso regelmäßig zockt, wird hier wenig neues finden. Die meisten Tipps sind schon ein bisschen älter und stellen auch nicht die allerhöchsten Hardware-Anforderungen. Gemein ist ihnen allesamt, das sie entweder von mir, meinen beiden Kindern und in einem Fall sogar von meiner Frau (!) gemocht und gerne gespielt werden. Viele davon auch im kooperativen Modus.

Die Altersangaben sind meine persönliche Einschätzung ab wann das Spiel meinen Kindern Spaß macht, bzw. ab wann ich vermute, dass es ihnen Spaß machen könnte oder für sie geeignet ist. Bei Erscheinen des Blogposts sind meine Kinder 8 und 10 Jahre alt.

Die offiziellen Altersfreigaben findet man bei der USK. Und grundsätzlich würde ich immer empfehlen neue Spiele zuerst zusammen mit den Kindern zu spielen. Dann merkt man ziemlich schnell, ob es sie überfordert oder verängstigt.

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MineCraft

Plattform: u.a. PC, Mac, Linux, PS4, iOS, Android
Multiplayer: ja (lokal und online)
gefällt: 👧👦
Preis: 23,95 €/Lizenz
ab 6 Jahren

Von dem Klötzchenbauspiel hat wahrscheinlich jeder schon mal gehört. Wer es doch noch nicht kennt: MineCraft kann man sich wie eine riesengroße, virtuelle LEGO-Welt vorstellen, in der man mit unzähligen Bausteinen, Gegenständen und Lebewesen die aberwitzigsten Sachen machen kann. Die Kinder lieben es und spielen am liebsten mit Freunden zusammen. Wie man einen privaten MineCraft-Server einrichtet, habe ich hier schon mal ausführlich aufgeschrieben. Mir persönlich ist das Spiel zu offen gehalten, zu wenig zielführend. Ich kann aber gut verstehen, was die Kinder daran fasziniert. Wäre mir damals wahrscheinlich ähnlich gegangen.

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Goat Simulator

Plattform: PC, Mac, iOS, Android, X-Box
Multiplayer: nein
gefällt: 👧
Preis: 1€ – 10€
ab 7 Jahren

Apropos wenig zielführend: Der Ziegensimulator. Hier steuert man eine Ziege. Das wars eigentlich schon. Na gut, nicht ganz. Man kann mit der Ziege ziemlich viel anstellen. Z.B. Wohnungen verwüsten, Tankstellen in die Luft sprengen, vom Hochhaus springen oder mit einem Jetpack durch die Gegend fliegen. V.a. meiner Tochter gefällt das ziemlich gut.

Die Grafik ist eher mittelmäßig, die Gewaltszenen (sofern man sie initiiert) sind wenig explizit oder blutig und das Spiel ist auch komplett friedlich spielbar. Bisschen rumlaufen, Gras von der Wiese fressen.

Solltet ihr aber mal in eine Diskussion um pädagogisch wertvolle Computerspiele verwickelt werden, spielt besser die MineCraft-Karte, denn was im Goat Simulator passiert, bleibt im Goat Simulator!

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Asphalt8

Plattform: iOS, Android
Preis: gratis
Multiplayer: ja (lokaler WLAN-Modus)
gefällt: 👧👦👨🏻
ab 7 Jahren

Eine weise Frau hat mal gesagt, ein gutes Computerspiel erkennt man daran, dass es Geld kostet. Denn kostenlose Free-to-Play Spiele, v.a. auf dem Smartphone, sind natürlich nicht wirklich kostenlos. Meistens sind sie nur der Köder für teuere In-App-Käufe oder nervige Werbung.

Asphalt8 ist auch so ein Free-to-Play-Spiel und nervt entsprechend mit genau diesen Mechanismen.

Asphalt8 ist aber auch ein sehr unterhaltsames Rennspiel, mit einsteigerfreundlicher Steuerung, schön gestalteten Rennstrecken und einem tollen Soundtrack (u.a. Queens of the Stone Age).

Und Asphalt8 bietet einen Multiplayer-Modus für das lokale WLAN. D.h. man benötigt keinerlei Online-Accounts (Facebook/GameCenter oder ähnliches). Außerdem läuft es auch noch auf dem älteren iPhone5. Gefällt Tochter, Sohn und mir gleichermaßen und sorgt zwischendurch für Spielspaß und wüste Beschimpfungen in gemütlicher Sofarunde.

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LEGO Star Wars/LEGO Harry Potter

Plattform: u.a. PS3, PS4, Mac, PC. iOS
Multiplayer: ja (lokaler Koop)
gefällt: 👧👦
Preis: ab ca. 20 €
ab 8 Jahren

LEGO hat zu verschiedenen Film-Franchises zahlreiche Computer- und Konsolenspiele im Angebot. Das Spielprinzip ist dabei (zumindest in den Titeln, die ich bisher angespielt habe) immer ähnlich.

1-2 Spieler kämpfen sich durch eine aus dem jeweiligen Film bekannte Welt, sammeln Bonussteine ein, lösen immer schwerer werdende Rätsel und kämpfen gegen einschlägig nervige Bösewichte. Der Schwierigkeitsgrad steigert sich dabei langsam und kindgerecht, die Steuerung ist schnell erlernt und das Wichtigste: man kann nicht sterben. Hat man alle Energie verloren, wird man einfach wiedererweckt. Das senkt den Frustrationsfaktor erheblich.

Den Kindern gefällt das vor allem auch, weil es mit Harry Potter und Star Wars in Welten spielt, die sie schon aus Filmen, Büchern oder Hörspielen kennen. Wenn sie dann selbst noch mal das zuvor nur passiv konsumierte aktiv nachspielen können, macht es ihnen gleich doppelt so viel Spaß.

Die Harry Potter-Kollektion ist extrem umfangreich und beinhaltet alle Teile der Buch/Film-Reihe.

Star Wars – The Complete Saga umfasst Episode I – VI. Leider ist das bei uns auf dem Mac immer wieder abgestürzt. Könnte mir aber vorstellen, dass es z.B. auf der PlayStation 3 stabiler läuft.

Deshalb sind die Kinder jetzt auf Star Wars – Das Erwachen der Macht (PlayStation 4) gewechselt. Das läuft bis jetzt stabil.

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Rocket League

Plattform: PS4, X-Box, Switch, Mac, PC
Multiplayer: ja (lokaler Koop)
gefällt: 👦👨🏻
Preis: ab 20 €
ab 8 Jahren

Hallenfußball mit Autos. Klingt bescheuert, funktioniert aber ziemlich gut und macht schnell Spaß. V.a im lokalen Multiplayer-Modus. Die Einarbeitung in die Steuerung dauert ein bisschen, aber zusammen mit dem Sohn hatte ich nach einer knappen halben Stunde schon sehr großes Sofavergnügen.

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Card Crawl

Plattform: iOS, Android, PC und Mac
Multiplayer: nein
gefällt: 👨🏻
Preis: ab 2,99 €
ab 8 Jahren

Ein simples Kartenspiel. Wohl so ähnlich wie Solitär (was ich nie gespielt hab). Man setzt die eigenen Waffen-, Trank- und Fähigkeitskarten ein um verschieden starke Monsterkarten zu besiegen. Und eins vorweg: ich liebe alles an diesem Spiel! Ich hab es zwei Monate lang fast jeden Tag, immer mal wieder zwischendurch, gespielt. Das Artwork ist toll, von den Soundeffekten hab ich geträumt und schon nach kurzer Zeit fängt man an nicht nur gewinnen zu wollen, sondern auch strategisch zu spielen. Die verschiedenen Bonus- und Sammelmechanismen sorgen dafür, dass es nicht so schnell langweilig wird. Jeden Euro wert.

Das Nachfolgespiel Card Thief sieht auch gut aus. Da muss ich mich mal einarbeiten.

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Keep talking and nobody explodes

Plattform: PC, Mac und Linux
Multiplayer: ja (lokaler Koop)
gefällt: 👨🏻👩‍💼
Preis: 14,99 €
ab 12 Jahren

Die Beziehung zu meiner Frau basiert zu einem großen Teil auf den Lethal Weapon-Filmen. Eine der Kernfragen der Filme ist: „der rote oder der blaue Draht?“. Mit Keep talking and nobody will explode können wir das jetzt auch am Küchentisch nachspielen.

Ein Spieler sitzt vor dem Computer und bekommt eine tickende Bombe angezeigt, der oder die anderen Mitspieler sitzen davor, ohne Blick auf den Bildschirm, und haben nur das ausgedruckte Bombenentschärfungshandbuch (deutsch / englisch) zur Hand. Der Spieler vor dem Computer muss den anderen jetzt beschreiben, was er sieht und die müssen ihm anhand des Handbuchs sagen, wie er die Bombe entschärfen kann. Dabei tickt natürlich immer die Uhr. Kann man sich so dahingeschrieben vielleicht nur schwer vorstellen, aber das Spielprinzip funktioniert hervorragend und bietet dank der sehr variablen Rätselmechaniken auch länger anhaltenden Spielspaß.

Meine Frau mag den ganzen Gameskram eigentlich nicht so recht, aber das hier hat ihr auch Spaß gemacht. Insgesamt ein guter Stresstest für eine Beziehung (ähnlich wie zusammen Kanufahren) und bestimmt auch gut als Partyspiel geeignet.

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Thimbleweed Park

Plattform: PC und Mac, iOS, X-BOX
Multiplayer: nein
gefällt: 👨🏻
Preis: ab 19,99 €
ab 12 Jahren

Ron Gilbert hat u.a. die Adventure-Klassiker Maniac Mansion, Zak McKracken und Monkey Island erfunden. Alles Point-and-Click-Adventures. D.h. man steuert mit der Maus eine oder mehrere Spielfiguren durch verschiedene Szenerien und löst Rätsel. Meistens indem man Gegenstand 1 (z.B. Kettensäge) mit Gegenstand 2 (z.B. Mikrowelle) benutzt. Mit Thimbleweed Park hat Gilbert eine Hommage an seine alten Spieleklassiker geschaffen. Grafisch und inhaltlich. Alles voller Referenzen und Insidergags. Sehr liebevoll umgesetzt. Ich spiele jetzt schon ein halbes Jahr und bin mittlerweile beim vierten und letzten Kapitel (und habe dabei nur zwei mal beim internen Hilfetelefon angerufen. Ich schwör!). Den Kindern hab ich auch schon mal versucht neuere Vertreter des Adventure-Genres nahezubringen, das hat aber nicht funktioniert. Interessiert Null.

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Broforce

Plattform: PC und Mac, PS4
Multiplayer: ja (lokaler und online Koop)
gefällt: 👨🏻
Preis: 13,99 €
ab 14 Jahre

Eine weitere Hommage. Diesmal an die 80er und so ziemlich alle relevanten Action-Filme aus diesem Jahrzehnt. Broforce ist ein, Achtung! Fachbegriff!, seitlich scrollender Plattformshooter in Retro-Pixeloptik. Um ans Ende eines Levels zu gelangen muss man so ziemlich alles zerstören, wegbomben und abballern, was im Weg steht. Dabei steuert man u.a. John McClane, John Rambo, Mr.T, Indiana Jones, Chuck Norris oder den Terminator. Geballte toxische Männlichkeit durch den Parodiewolf gedreht. Fetzt noch ein bisschen mehr im (Online)-Multiplayer, wo man sich gemeinsam vorankämpft.

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Life is strange

Plattform: PC und Mac, iOS, PS4, X-BOX
Multiplayer: nein
gefällt: 👨🏻
Preis: ab 19,99 €
ab 14 Jahren

Die 18-Jährige Max kommt zum Studieren in ihren Heimatort Arcadia Bay zurück. Dort passieren einige seltsame Dinge. U.a. merkt sie, dass sie plötzlich die Fähigkeit hat, die Zeit kurz zurückzudrehen, Menschen verschwinden unter mysteriösen Umständen und seltsame Wetterphänomene treten auf.

Man steuert Max aus der Third-Person-Perspektive. Die 3D-Welt ist dabei mit derselben Technik wie z.B. der Goat-Simulator erstellt (Unreal-Engine), dabei aber wesentlich detaillierter und liebevoller umgesetzt. Die Welt wirkt zwar offen, aber im Prinzip agiert man schon recht eingeschränkt, da viele Bereiche einfach nicht zugänglich sind und man durch die Geschichte quasi immer in die richtige Richtung weitergeführt wird. Zwischendurch muss man immer wieder Entscheidungen treffen und kleinere Rätsel lösen. Das spielt sich insgesamt eher wie eine interaktive Fernsehserie, als ein klassisches Adventure. Passenderweise ist Life is strange dann auch in fünf Episoden eingeteilt. Jede davon kann man gut an einem Abend in 4-5 Stunden durchspielen. Die Story ist eine packende Mischung aus Coming-of-Age-Drama und Akte X-Twin Peaks-Mystery (zumindest bis zur 4. Episode, in der ich mich gerade befinde). Untermalt wird alles von einem wirklich hervorragenden Indie-Soundtrack.

Mentions

  • Ivo Heckmann

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