Post von @heibie – S02E04: Warum Papi nie weint?

Mädchen irgendwie feministisch und gegen gängige Rollenklischees zu erziehen, darüber wird viel geredet und, zu Recht, dran gearbeitet.

Wie sieht’s aber mit den Jungs aus? In der New York Times erschien vor einem Jahr der Artikel „How to raise a feminist son“ und im Lila Podcast wurde das Thema vor ein paar Ausgaben auch diskutiert. Schnellzusammenfassung: Jungs sollen so sein dürfen, wie sie wollen, in die Hausarbeit mit eingebunden werden, sich um sich selbst kümmern, sich um andere kümmern, Mädchen respektieren und, sehr wichtig: Gefühle zulassen und artikulieren, Schwäche zeigen können.

Hört sich alles super an, find ich gut, mach ich bei meinem Sohn genau so.

Mach ich das wirklich so? Praktischerweise hab ich noch eine Vergleichstochter und nach einmal kurz gegenchecken kommt raus: Natürlich hab ich in den letzten 11 Jahren (Moment mal! Wird der nächste Woche wirklich 11!?!?!) unzählige Male in den Topf mit diesen oder ähnlichen Klischeesätzen und Zuordnungen gegriffen.

Warum? Eine küchenpsychologische Blitzanalyse hat ergeben, dass ich das in meiner Kindheit oft gehört habe und viele dieser Rollenzuschreibungen auch Teil meiner Erziehung waren. Das prägt sich ein und ich wiederhole es unreflektiert den eigenen Kindern gegenüber.

Wenn sogar Hitler Erziehungsgrundsätze bis heute beeinflussen kann, dann kann das die Erziehung unserer eigenen Eltern noch allemal effektiver und unterschwelliger.

Jedes mal, wenn ich also den Satz „Jungs sind eben so“ gesagt (oder gedacht) habe, habe ich auch genau festgelegt, wie sie eben nicht sind, nicht zu sein haben.

Und jetzt kommen IDLES ins Spiel. IDLES kommen aus England und haben das beste Gitarrenalbum des Jahres 2018 eingespielt (eine schönes Portrait hat der Guardian). Auf Joy as an Act of Resistance befindet sich auch der Song Samaritans. Darin singt sich Joe Talbot seine ganze Wut darüber von der Seele, wie Jungs und Männer auch heutzutage immer noch sein müssen, wie sie mit Problemen umgehen sollen:

Saufen, weitermachen, Kopf hoch, nicht weinen, keine Schwäche zeigen, eben: grow some balls! (und das neue Buch von Kollegah kaufen, lol).

Refrain: This is why you never see your father cry!

Wenn das auch heute noch die wichtigsten Verarbeitungsstrategien für männliche Unsicherheit und Gefühle sind, muss man sich nicht wundern, dass die meiste Gewalt immer noch von Männern ausgeht und solche Fragen noch ernsthaft gestellt werden.

Samaritans ist der Song, der mich, seit dem Finale von Sing, am meisten bewegt hat. Ich freu mich schon darauf IDLES am Freitag live zu sehen. Fäuste in die Luft, ein Tränchen eben genau nicht verdrückt und vielleicht umarm ich noch meine Konzertbegleitung (mal gucken, was sich spontan ergibt).


Podcastempfehlungen in aller Kürze: Harald Schmidt ist, zumindest in diesem Gespräch, doch nicht so alt und verbittert, wie ich befürchtet hatte, Robert Habeck läuft durch die Gegend, Anne Will ist sympathisch und schlau, mein Freund @abspann macht schon seit 100 Jahren ein sehr gutes Comicmagazin und durfte beim DLF kurz darüber reden, das Smartphone verändert uns, Bibliotheken haben wesentlich mehr Aufgaben, als nur Bücher zu verleihen und sehr spannend und unterhaltsam fand ich die Hörspielfassung von Julie Zehs Roman Unterleuten und den True-Crime Podcast Das Versprechen.


Auf Facebook hat ein Freund nach einem guten Klaviertransportdienst gefragt. Hab ich natürlich keine Ahnung von, was mich aber nicht daran hindert mit einem Link auf die komplette Folge Dick und Doof zu antworten, in der Stan und Olli ein Klavier transportieren.


Zum letzten Get well Soon Album hat die btf eine düstere Miniserie produziert, die nicht unbedingt gute Laune macht, mir aber gefallen hat.


In eigener Sache: Dirk hat sich die Internetstrasse ausgedacht. Ich fand das sofort super und unterstütze die Idee. Wenn ihr das auch gut findet und grad in einem Neubaugebiet ein Haus baut: wie wärs mit einer Internetstrasse? Euer Gemeinderat wartet nur auf Euch! (wenn ihr es albern findet: auch ok)


Und jetzt: Musik.

Während das Bauhaus Dessau noch immer zögert, hat die Klasse 2c aus Hamburg schon im Sommer Fakten geschaffen, toxische Metalmännlichkeit lebt sich auf youtube vor Muttis Sofaecke aus, diese zwei Mädchen sind wütend und zögern nicht von der Schwimmnudel Gebrauch zu machen, so klingt Bohemian Rhapsody in 42 Musikstilen und so Master of Puppets mit Macarena Beat.

Richtig, echte, ganze Songs haben sich über den Sommer so viele angesammelt. Eine kommentarlose, unsortierte Auflistung folgt und kann wie immer auch über die Spotify-Playlist zu diesem Newsletter abonniert werden. Nach den Videos kommt der Witz zum Schluss, Ehrensache!


Goldner Anker – Kaputt
Goldner Anker haben mir schamlos in die Kommentare zur letzten Newsletterausgabe Werbung gepostet. Und wenn mir schamlose Werbung gefällt, verlinke ich sie sehr gerne.


IDLES – Samaritans


The Get Up Kids – Maybe


Marteria & Casper – Champion Sound


Eko Fresh – Aber


Leoniden – Kids


Mattiel – Count Your Blessings


Alkaline Trio – Blackbird


Orla Garland – Big yellow taxi


The Screenshots – Cornetto


VSK – Schönen Guten Tag


Matula – Dein Platz ist hier


Moop Mama – Molotow


Basement – Covet


Kurt Vile – Loading Zones


Therapy? – Wreck It Like Beckett


Joey Cape & Chris Cresswell – To all my Friends


Phillip Boa and the Voodooclub – Nightclub Flasher


Marc Ribot – Bella Ciao (feat. Tom Waits)


Isolation Berlin – Serotonin


Weezer – Can’t Knock The Hustle


Pascow – Silberblick & Scherenhände


Bad Religion – The Profane Rights Of Man


PeterLicht – Menschen


Dave Hause- Lemon Hill


T der Bär – SteSteSte


Deerhunter – Death in Midsummer


Den Witz zum Schluss hab ich mir dieses mal selbst ausgedacht. Heute morgen beim Frühstück:

Was ist gelb, fliegt durch die Luft und schleppt Pakete hinter sich her?

Eine Ziehdrone

Wenn Ihr auch einen Lieblingswitz habt, dann schickt mir den doch bitte an postvon@heibie.de. Ältere Ausgaben meines Newsletters kannst Du im Archiv nachlesen.

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