Mobilität

Autokorrektur München

Wie soll der Platz in der Stadt zukünftig verteilt werden?

tl;dr: Hier gehts zur Seite und hier zum Twitter-Bot.

Georg Dunkel, der Mobilitätsreferent der Landeshauptstadt München, hat in seiner Rede beim 1. Münchner Mobilitätskongress skizziert, wie Mobilität in München zukünftig ausgestaltet werden soll. Ein zentraler Punkt seines Vortrags ist die Bedeutung der Flächeneffizienz: „Der Platz ist knapp, nicht vermehrbar … es ist zwingend, die flächeneffizienten Verkehrsmittel stärker zu fördern … im Zweifel gegenüber dem Privat-PKW … das ist keine Ideologie sondern Mathematik” (Im Video ab ca. 42:24)

Ein privater PKW ist im Durchschnitt nur mit 1,4 Personen besetzt und wird am Tag nur knapp eine Stunde genutzt. Gleichzeitig verbraucht ein PKW nicht nur Platz wenn er fährt, sondern auch wenn er ungenutzt auf dem Seitenstreifen parkt. Auslastung und Flächenverbrauch sind hier im Vergleich zum Fahrrad oder dem ÖPNV deutlich schlechter und ineffizient.

Oder einfacher gesagt: Zu viele Autos stehen nutzlos rum und verbrauchen zu viel öffentlichen Platz.

Wieviel Platz das ist, ist gar nicht so leicht herauszufinden. Es gibt für deutsche Städte kaum Zahlen, wieviel Raum für öffentliche Parkflächen und Straßen genutzt wird. Die Agentur „Clevere Städte“ hat 2014 für Berlin in einer Studie geschätzt, dass 58% der Berliner Verkehrsflächen für den fahrenden oder parkenden Autoverkehr reserviert sind. Wirklich genaue Zahlen, die eine Berechnung des Flächenverbrauchs ermöglichen habe ich bisher keine gefunden (wer was hat, gerne in die Kommentare).

Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wieviel Fläche Autoverkehr in München in Anspruch nimmt, haben wir die kleine Seite „Autokorrektur München“ gebaut, die in Echtzeit anzeigt, wieviel Parkplätze gerade in den Parkhäusern der Münchner Altstadt frei sind, also für Autos vorgehalten werden. Und gleichzeitig berechnen wir, was man mit der ungenutzten Fläche sonst noch machen könnte. Neben der Seite läuft auch der Twitter-Bot @autokorrekturM, der regelmäßig den aktuellen Stand der Parkhausbelegung twittert.

Die Zahlen sind bewusst plakativ und sollen die Diskussion über die Nutzung öffentlichen Raums bereichern. Natürlich kann man nicht 1:1 Wohnungen in die Parkhäuser einbauen und Parkhäuser können durchaus eine effiziente Abstellfläche für Autos sein, z.B. am Rand von autofreien Stadtvierteln oder als Park&Ride-Flächen. In die Münchner Altstadt kann man aber in den meisten Fällen auch ganz gut ohne Auto gelangen.

Aussagekräftiger wären Zahlen über den Flächenverbrauch aller öffentlichen Autoabstellflächen der Stadt. Die wird es vielleicht in Zukunft geben, wenn der Digitale Zwilling München weiter fortgeschritten ist.

Das Projekt entstand im Vorfeld des openQ-Festivals (das im Rahmen des Münchner Mobilitätskongresses gefördert wurde) der Kooperative Großstadt. Georg Cadeggianini hat die Daten recherchiert und die Seite gestaltet, Ivo Heckmann hat meine erste, sehr wackelige Version, auf ein solides und skalierbares technisches Fundament gestellt und die Schnittstelle zum Twitter-Bot gebaut. Inspiriert ist das alles vom Twitter-Bot @autokorrekturKA.

Die Echzeitdaten kommen von hier (die ausgegrauten Parkhäuser sind momentan inaktiv und werden rausgerechnet)

Aktuell berechnen wir nur die mögliche Wohnfläche nach der folgenden Formel (Feintuning an den Formeln in den nächsten Wochen noch möglich):

  • Parkplatzfläche = 15 ㎡
    (darin enthalten ist auch ein Anteil für den Weg zum Parkplatz)
  • Anzahl der Wohnungen = Gesamtquadratmeter / 75
  • Wohnraum für Personen = Anzahl der Wohnungen * 2,5

Weitere Vergleiche (z.B. in Bezug auf Freiraumflächen, Fahrradabstellflächen, Fußwege etc.) und dadurch eine etwas abwechslungsreichere Gestaltung der Daten sind in Planung.

Fehler, Anregungen, Kritik oder Lob gerne in die Kommentare oder auf Twitter.

Update: Bis zum 10.10.2021 wurden statt der freien Fläche die belegte Fläche ausgegeben. Sowohl in den Tweets, als auch auf der Webseite. Alle anderen berechneten Zahlen bezogen sich aber auf die freie Fläche. Danke an den aufmerksamen Moritz Hoffmann fürs Fehler melden.

17 Kommentare zu “Autokorrektur München

  1. Hallo Heiko, gutes Projekt, das zum Nachahmen animiert! Bekommt ihr die Daten direkt aus einer Schnittstelle des Parkleitsystems der Stadt München?


  2. Ich hab in dem Blogbeitrag gegen Ende die Datenquelle verlinkt. Das ist der Dienstleister, der das Parkplatzmanagement macht. An die Links zu kommen war etwas Rechercheaufwand.

  3. Auch wenn die Zahlen nicht exakt sind, zeigt dieser Artikel schön, wie unsere Großsstädte ihren wertvollen Platz für kaum benutzte Autos verschwendet. Sehr interessant, danke!

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  • Ivo Heckmann

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