Aus aktuellem Anlass ein kleiner medienpädagogischer Thread aus dem Alltag

Zuerst erschienen als Twitterthread

Wir (Mutti und Vati) kommen nach Hause. Kinder kommen uns aufgeregt entgegen. Sie hätten mehrmals versucht uns anzurufen. Es sei was WICHTIGES passiert und wir haben unsere Handies nicht gehört …

Die Tochter hat in ihrer Pixel-Art-Ausmahlapp „ein iPhone UND einen mehre 100€-wertvollen @REWE_Supermarkt Gutschein“ gewonnen!!!!!

Sie hat zuerst 3-4 Fragen zu ihrem ReWe-Einkaufsverhalten beantwortet und hätte dann „nur noch“ ihre Adressdaten eingeben müssen um an den Gewinn zu kommen. An dem Punkt haben sie und ihr Bruder dann zum Glück gestutzt und versucht uns anzurufen.

Ich kann die Werbung jetzt nicht mehr nachstellen, aber wir alle wissen, dass sie nicht wirklich „einer von 10 iPhone-Nutzern“ war, die was gewonnen hatten. (der Werbe-Algorithmus gendert noch nicht mal richtig …)

Wir haben die Kinder schon früh für In-App-Werbung sensibilisiert. Sie kennen das, wissen, dass sie nicht klicken sollen, ertragen geduldig 30-Sekunden-Spots, bis es mit Clash-Royal weitergeht und kaufen auch nicht für Unsummen neue Schwerter.

Und obwohl sie so sensibilisiert sind, hat sie diese, bisher unbekannte Werbeform („DU HAST WAS GEWONNEN!!!“), voll erwischt. Sie waren wirklich und ehrlich enttäuscht, als wir ihnen den Trick erklärt haben und haben für eine halbe Stunden ernsthaft an den Riesengewinn geglaubt.

Also folgende Gedanken und Tipps:

1. Kinder frühzeitig über Werbetechniken, Loot-Box-Mechanismen, In-App-Käufe, anonyme Chatanfragen etc. altersgerecht aufklären.

2. ehrliches Interesse an den Spielen und Apps der Kinder zeigen. Nur, wenn ihr die Sachen selber mal getestet habt, wisst ihr auch welche Mechanismen und Werbeformen wo und wie angewandt werden.

3. Interesse bekunden sorgt meistens auch für Vertrauen. Die Kinder fühlen sich ernst genommen und wenn in der App dann mal was „Komisches“ passiert fragen sie euch erst mal, bevor sie was anklicken (wenn ihr dann unterwegs Euer Handy nicht hört … ok)

4. Immer weiter dran bleiben. Alles entwickelt sich. Den Gewinnspielwerbetrick hatten wir bisher noch nicht auf dem Radar. Jetzt haben wir ihn besprochen und das nächste mal wissen die Kinder schon besser Bescheid. Insgesamt: Reden, reden, reden, nachfragen, nachfragen, nchfrgn..

5. Allgemeine Regeln aufstellen, die immer gelten: z.B. keine Adressdaten irgendwo eintippen, niemand antworten, den man nicht kennt etc. (hat in diesem Fall z.B. dazu geführt, dass die Kinder bei der Adressabfrage doch stutzig geworden sind)

6.1 Kinderperspektive einnehmen: Natürlich wirkt auf viele von uns der Gewinnspieltrick total einfach durchschaubar. Aber es gab mal eine Zeit (und da war ich schon volljährig), da wäre ich auf sowas vielleicht auch reingefallen.

6.2 Wie muss es da erst für 10-Jährige sein, die sowas zum ersten mal sehen? Genau so, wie weiter oben beschrieben.

7. vielleicht der wichtigste Tipp: So gut wie möglich auf Free-to-Play-Apps verzichten. NICHTS ist umsonst. Spiele, die nichts kosten, holen sich ihr Geld über die weiter oben beschriebenen Umwege. Im Zweifelsfall lieber einmalig Geld ausgeben und die App werbefrei schalten.

p.s. wer eine Pixel-Art-App (vgl. https://itunes.apple.com/de/app/pixel-art-malen-nach-zahlen/id1274972321?mt=8 …) zu einem fairen, einmaligen Preis empfehlen kann, gerne her damit (7-8€-Monatsabo find ich persönlich bisschen übertrieben)

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