Post von @heibie – S02E01: Blondierungsgespräche

Ich war beim Friseur und hab mich natürlich nicht über eine Haarfarbanpassung unterhalten (die ändert sich von alleine. Und es geht nicht in Richtung Blond!). Mein Friseur redet entweder übers Wetter (Smalltalk-Profi), den Stadtteil (er hat den Laden seit 40 Jahren und weiß sehr viel) oder die Urlaubsreisen mit seiner Frau (sie machen nur organisierte Busreisen). Organisierte Busreisen finden viele bestimmt lustig oder doof (Heizdecken *hihi*). Aber ohne organisierte Busreisen (es gibt sie auch zahlreich ohne Heizdecken) hätten sich meine Eltern, die bis zum Ruhestand wegen der Sprachbarriere nur im deutschsprachigen Ausland Urlaub gemacht haben, niemals nach Schweden, Schottland, Italien oder Spanien getraut. Daumen hoch für organisierte Busreisen ?

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Am 31. Januar (also gestern) hatte der neue Film von Emilio Estevez Premiere beim Santa Barbara Filmfestival. In The Public suchen Obdachlose Zuflucht vor der Winterkälte in der Stadtbibliothek von Cincinnati. Chief-Librarian Emilio Estevez lässt sie übernachten. Das gefällt Alec Baldwin und Christian Slater nicht und es kommt zum Showdown mit einem Sondereinsatzkommando (so zumindest entnehme ich es dem Trailer und dem kurzen Wikipedia-Eintrag).

Die Bibliothek als letzte Bastion der Demokratie und Menschlichkeit. Klingt ein bisschen nach aufgeblasenem Hollywoodkitsch? Gar nicht so weit weg von der Realität.

Als wir 2013 die USA bereisten war in den Public Libraries von Los Angeles und San Francisco genau sowas zu beobachten. Zahlreiche Obdachlose, die sich in den Waschräumen frisch machten und die Bibliothek als Aufenthaltsort benutzen. Das wird unter der neuen Regierung nicht besser geworden sein.

Und Bibliotheken sind auch hier bei uns schon lange viel mehr als die Buchausleihorte, wie wir sie vielleicht noch aus unserer Kindheit kennen. Wenn der (urbane) Raum immer knapper, teurer und kleiner wird, dann ist öffentlicher Raum, der niedrigschwellig und kostenlos zugänglich ist, nötiger denn je. Und wenn sich die gesellschaftlichen Fronten immer mehr verhärten, dann ist es wichtig, dass es Orte gibt, an denen Menschen in echt aufeinander treffen.

In der Bibliothek passiert genau das. Hier lernen Schüler fürs Abi und Flüchtlinge für den Integrationskurs (und suchen neue Adjektive), während nebenan der Pegida-Typ sein fremdenfeindliches Lügenpresseflugblatt im Spiegel versteckt (ja, das passiert leider auch). Obdachlose kommen morgens um 10 und gehen erst wieder am Abend. Den Tag verbringen sie lesend und schlafend auf ihrem Stammplatz. Grundschüler lernen programmieren, Teenager zocken Playstation und Omis lassen sich E-Books und das Internet erklären. Ein Ort für alle.

Jetzt hab ich auch noch fast wortwörtlich den neuen Claim der Stadtbibliothek München untergebracht. Werbeblock: Ende. (in den Bibliotheken bei euch vor Ort wird es ähnlich sein, weil es viele BibliothekarInnen gibt, die so viel mehr machen als gern Bücher zu lesen. Ich weiß das, ich bin mit einer verheiratet.)

Lange Rede, kurzer Sinn: Support your local library! Geht hin, nutzt sie und wenn ihr tolle soziale oder (medien)pädagogische Projekte macht oder plant, denkt doch mal drüber nach die Bibliothek als Kooperationspartner mit ins Boot zu holen.

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Dirk von Gehlen überlegt, ob man den Begriff „Heimat“ nicht hacken und umdeuten sollte. (€-Link). Positiv besetzen, einen neuen Frame draufsetzen. Einige meiner WhatsApp-Gruppen sind mir vielleicht auch schon ein bisschen Heimat geworden. Sehe das ähnlich wie Georg Cadeggianini. (€-Link)

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„Das Recht muss konsequent umgesetzt werden“ meint Markus Söder (Print SZ vom 31.1.2018). Also bei Flüchtlingen halt. Wenn es um gesundheitsgefährdende Dieselfahrzeuge geht nimmt’s die bayrische Regierungspartei nicht ganz so konsequent. Verkehrspolitisch weiter ist da Melbourne. Die haben mal ALLE Kosten gegengerechnet und den ÖPNV in der Innenstadt komplett kostenlos gemacht.

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Politiker rutschen auf Twitter gerne mal auf der Maus aus und löschen dann ihre Tweets wieder. Politwoops sammelt sie alle.

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Wenn Ingenieure Kinder bekommen und gleichzeitig noch Comics zeichnen, dann wird endlich mal das Familienbett vernünftig wissenschaftlich mit einem Graphen erklärt.

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3…2…1. Wo startet die nächste Rakete?

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„Whats da Passwoid?“ – „Ken sent me“. Wer hier mehr als Bahnhof versteht wird sich von dieser Webseite bestimmt auch gerne mal ein paar Minuten von der Arbeit abhalten lassen.

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Die btf (u.a. NEO MAGAZIN ROYALE) produziert das Point-and-Klick-Advenure Trüberbrook. Es sieht so fantastisch aus, dass ich vorab schon Geld dafür hergegeben hab.

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Podcast- und Mediathekempfehlungen im Schnelldurchlauf: Interviews mit Bastian Pastewka und Ralf König, der Bimbes von Helmut Kohl, der Abschluss von Olli Dittrichs TV-Zyklus, Medienkompetenz für Kinder, Scobel erklärt Framing, docupy, Zukunft der Mobilität, ein schönes Kinderhörspiel, ein seltsames Erwachsenenhörspiel von Heinz Strunk und der Podcast-Empfehlungsnewsletter vom Sebastian. Guter Mann.

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Der Musikblock wird dieses mal mit einem neu arrangierten Hit, ganz früher Technikkritik von Juliane Werding und ein bisschen Gossip eingeleitet. In diesem Video schält ein Zuschauer während eines Liam Gallagher Konzerts eine Kartoffel. Warum macht er das? Meine Twittertimeline hat die harten Fakten.

Alle Songs aus der ersten Staffel meines Newsletters gibt es auf dieser Spotify-Playlist. Den Soundtrack für die 2. Staffel könnt ihr hier abonnieren.

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[Video] Moneybrother – I love it

Anders Wendin hat Anfang der 2000er als Moneybrother mit Blood Panic und danach mit To die alone zwei wunderschöne Alben veröffentlicht. Ich hab ihn zwei mal live gesehen und kann mir kaum einen sympathischeren Musiker vorstellen. Wer bei einem Moneybrother-Konzert nicht dauergrinsen muss, der hat schalldichte Ohrstöpsel drin oder ist aus Versehen bei Xavier Naidoo gelandet.

Seit ein paar Jahren war nichts mehr von ihm zu hören. Jetzt ist Moneybrother wieder da. Bzw. er war ja nie richtig weg, sondern halt nur in Schweden. Da kommt er her, da macht er immer noch Musik. 2017 ist er in der dortigen Version von „Sing meinen Song“ aufgetreten und hat u.a. diesen Knaller hier eingespielt (Ein Album mit den ganzen Coverversionen, die er in der Sendung gespielt hat gibt es auch)

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[Video] Erdmöbel und Judith Holofernes – Hoffnungsmaschine

Apropos „Sing meinen Song. Judith Holofernes (supersympathisch) hat nicht nur dieses feine Lied mit Erdmöbel zusammen aufgenommen, sondern macht 2018 auch in der besagten VOX-Sendung mitHier schreibt sie warum. Und hier schreibt sie, was sie 2017 gelernt hat.

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[Video] Frank Turner – Be more kind (live)

Frank Turner (toppsympathisch) kündigt ein neues Album an. Es gibt zwar noch keine offizielle Auskopplung, aber z.B. diese Live-Version des Titeltracks. Und in diesem Facebook-Video spielt er bei ca. 26:30 auch noch einen neuen Song.
[Nachtrag] Kurz nach Versenden des Newsletters erreicht mich doch ein aktuelles Video mit einem neuen Song.

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[Video] Orla Gartland – Everywhere

Orla Gartland veröffentlicht neben eigenen Songs in ihrem Youtube-Kanal v.a. Cover-Versionen bekannter Popstücke. Auch gut: die Interpretation von Common People.

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[Video] Manic Street Preachers – International Blue

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[Video] Hey Ruin – Poly

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[Video] Pokey LaFarge – Riot in the streets

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[Video] Django Django – Tic Tac Toe

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[Video] Machine Head – Volatile

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[Video] The Go! Team – Semicircle Song

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[Video] Eels – The Deconstruction

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[Video] The Wombats – Lemon to knife fight

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[Video] Fire in the Radio – New Air

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[Video] The Menzingers – After the party

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[Video] The Damned – Standing on the edge of tomorrow

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Der Witz zum Schluss kommt von meinem Sohn und er geht so:

An welchem Tag sinken alle U-Boote?

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Am Tag der offenen Tür

 

Wenn Ihr auch einen Lieblingswitz habt, dann schickt mir den doch bitte an postvon@heibie.de. Ältere Ausgaben meines Newsletters kannst Du im Archiv nachlesen.

Mentions

  • Dirk von Gehlen

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