Post von @heibie ÔÇô S01E13: Die drei It-Girls vom Foodtruck

… so k├Ânnte das Netflix-Remake von den Drei Damen vom Grill hei├čen. F├Ąnd ich witzig. Kucken w├╝rd ich es wahrscheinlich nicht.

Ich kann mich bei Netflix n├Ąmlich nie entscheiden, was ich schauen soll. App auf, scrollen, scrollen, Favorit f├╝r sp├Ąter setzen, scrollen, Favorit f├╝r sp├Ąter setzen, mit meiner Frau diskutieren, was wir schauen, scrollen, scrollen, Favorit setzen, huch schon 23:00, g├Ąhn, ab ins Bett.

In der vorletzten brand eins schreibt Alexander Krex ├╝ber seinen Flatrate-Kater. ( 06/2017, S. 146, Eine Nach in der Schokoladenfabrik, leider noch nicht freigeschaltet). Der Autor hat ein ├Ąhnliches Problem. Das Flatrate Angebot ist riesig, aber es ist zu viel und nichts davon ber├╝hrt ihn mehr richtig. Es ist alles irgendwie egal. Er fl├╝chtet sich dann in seine alte CD Sammlung und f├╝hlt sich wieder besser.

Das ist mir ein bisschen zu r├╝ckw├Ąrtsgewandt und fr├╝her-war-alles-besser. Retrospektiv betrachtet bestand meine CD-Sammlung n├Ąmlich nicht nur aus Perlen (Mr. Ed jumps the gun!) und ich finde die sofortige Verf├╝gbarkeit von Musik und Filmen im Prinzip eine super Sache und sehne mich ├╝berhaupt nicht zur├╝ck in meine Landjugendzeit, wo man Platten und CDs nur im zw├Âlf Kilometer entfernten Elektrofachmarkt zwischen Waschmaschinen und K├╝hlschr├Ąnken kaufen konnte. Ich h├Ątte alles gegeben f├╝r ein universelles Musikangebot wie Spotify und ich m├Âchte auch heute immer wieder neue und alte Musik f├╝r mich entdecken. In Blogs. Zeitschriften, von Freunden empfohlen. Und das dann gleich sofort anh├Âren. Auf Spotify geht das fast immer (und zwar auch bis in kleinste Indie-Nischen hinein). Bei Filmen aber ├╝berhaupt nicht.

Die g├Ąngigen Streaming-Dienste bieten oberfl├Ąchlich betrachtet hinter den ganzen bunten Kacheln eine gro├če Auswahl, klickt man aber eine Ebene weiter, klaffen riesige L├╝cken in alle Genre-Richtungen, die man m├╝hsam aus unterschiedlichen anderen Quellen (Bibliothek, DVDs, Mediatheken, Youtube und noch dunklere Ecken des Internets) schlie├čen muss.

Hier wird behauptet, da├č Netflix unsere kulturellen Echokammern verst├Ąrkt. Ich w├╝rde sagen, Netflix hat genau eine neue Echokammer geschaffen (und nebenbei Videotheken ├╝berfl├╝ssig gemacht), mit Inhalten ├╝ber die man redet, weil sie oft exklusiv bei Netflix laufen. Das langweilt mich auf Dauer.

Ich vermisse ein Streamingangebot, welches mir noch viel mehr Nischeninhalte aus noch mehr Echokammern anbietet. Krude Sachen, S/W-Klassiker, Horror, Filmkunst, Trash, Filmkunsttrash, 80er-Action-G├╝lle, deutsche Serienklassiker, Dokumentationen, Asia-Zeugs. Das komplette Programm vom Fantasy Filmfest, vom DOK-Fest oder dem Filmfest M├╝nchen.

Eine gestreamte Ausgabe des Filmfanzines Splatting Image. Das habe ich jahrelang gerne gelesen. Unfassbare inhaltliche und stilistische Bandbreite. Teilweise waren die Reviews unterhaltsamer, als der besprochene Film selbst. Ein Videoplattform, vom Splatting Image-Team inhaltlich begleitet und kuratiert. Ich w├Ąr der erste Kunde.

***

Bleiben wir noch kurz bei Flatrates. Amazon Prime Reading bietet seit kurzem eine Leseflatrate mit ausgew├Ąhlten B├╝chern und Magazinen. Was als gro├če Neuheit verkauft wird, ist seit mehreren Jahrzehnten das Gesch├Ąftsmodell von ├Âffentlichen Bibliotheken und wurde in vordigitalen Zeiten manchmal sogar mit dem Pferd an den Kunden gebracht.

***

Die Dokumentation “Auserw├Ąhlt und ausgegrenzt” hat ja f├╝r einiges Aufsehen gesorgt. Es geht um Antisemitismus. Und u.a. auch um Antisemitismus, der sich unter dem Deckmantel der Israelkritik versteckt. Ich hab mir die kommentierte Fassung des WDR angeschaut. Das ganze Geschehen fasst Elisa Makowski im epd noch mal sehr verst├Ąndlich zusammen. Bei der ganzen Diskussion habe ich f├╝r mich gemerkt, da├č ich viel zu wenig wei├č ├╝ber die Geschichte des sogenannten Nahostkonfliktes. Das muss nachgeholt werden. Z.B. hiermit: Deutschlandfunk: Eine Stunde History – Der Sechstagekrieg, die zugeh├Ârige Gespr├Ąchsrunde aus dem WRINT-Universum, Israel ist an allem Schuld und mit Edition N┬░ 21 Israel und Pal├Ąstina (noch ungelesen). ├ťber weitere Empfehlungen freue ich mich.

***

M├╝tter k├Ânnen es irgendwie ja nie richtig machen. Und h├Âren das auch st├Ąndig. Von der Gesellschaft (ungefragte Kommentare in der U-Bahn) oder halt in den Medien. Wie Andrea Harmonika sehr, sehr unterhaltsam und w├╝tend hier zusammengesucht hat.

***

Die Ehe f├╝r alle ist beschlossen und das ist eine gute Sache. Was mich bei der Gegenargumentation der Konservativen da schon immer gewundert hat, ist da├č sie eigentlich gar nicht so richtig argumentieren, sondern meistens nur irgendwie rumschwurbeln, dass sie halt kein gutes Gef├╝hl dabei haben, oder das es bei Ehe nur ums Kinderkriegen geht. Dabei sollten sie doch froh sein, wenn in Zeiten steigender Scheidungszahlen sich auf einmal eine riesige, neue Zielgruppe f├╝r Ihr bevorzugtes Lebensmodell findet. Menschen, die offenbar Verantwortung f├╝reinander ├╝bernehmen wollen. Ein Leben lang. Immerhin drei CSU Abgeordnete sehen das auch so. Wolfgang Stefinger ist einer von ihnen und hat seine Entscheidung wohl begr├╝ndet hier erkl├Ąrt.

***

Bei Helge Schneider Interviews wei├č man ja nie so genau, ob da jetzt gerade die Kunstfigur redet oder der echte Helge. Bettina Rust hat den letzteren erwischt und ein sehr interessantes Gespr├Ąch gef├╝hrt.

***

Zur Musik: Das funktioniert ausgesprochen gut. Ein Sesamstra├če-Sabotage-Mashup.

***

[Video] Grandaddy – Brush with the wild

https://youtu.be/i0VLsQAiXDs

***

[Video] Grossstadtgefl├╝ster feat. Fatoni – Keiner fickt mich

***

[Video] Judith Holofernes feat. Maeckes – Analogpunk 2.0
P.S. Bitte auch den 8-bit-Bands auf Twitter folgen!

***

[Video] Billy Bragg – The sleep of reason

***

Der Witz zum Schlu├č f├Ąllt heute aus. Ihr habt mir noch keine neuen Witze an postvon@heibie.de geschickt. Stattdessen ein Bild von einem lustigen Kaktus, der hier gerade in dem Zimmer steht, in dem ich den Newsletter schreibe.

***

Ältere Ausgaben meines Newsletters kannst Du im Archiv nachlesenDie Spotify-Playlist zum Newsletter gibt es wie immer hier.

 

 


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht ver├Âffentlicht.